Triales Studium: Lea Michaelis findet’s cool

Foto: Ingo Lammert

Die Kombination aus Studium und Praxis ist für die angehende Mechatronikerin für Kältetechnik ideal.

An der derzeitigen Krise kommt auch die 20-jährige „triale Studentin“ aus Hilden nicht vorbei: Die Lernbedingungen haben sich extrem verändert. Und doch klappt das Studium im online-Modus bisher erstaunlich gut, sagt Lea Michaelis. So sei es zwar etwas schwerer, sich das Material selbst zu erarbeiten, als es von Dozenten vorgetragen zu bekommen. Diese legten sich aber sehr ins Zeug, den Studierenden ihre Präsentationen durch Audio-Dateien und Videokonferenzen zu vermitteln. Über Frageportale sei Kontaktaufnahme und Hilfe jederzeit möglich. Ganz vergleichbar mit der persönlichen Wissensvermittlung, bei der man Fragen stellen und Tipps erhalten könnte, sei das natürlich nicht. Die Zeitersparnis – immerhin eine Stunde Fahrt von Hilden zur Hochschule Mönchengladbach – müsse sie deshalb auch voll in das vermehrte Selbststudium investieren.

Im Betrieb im Bergischen Land läuft es dagegen fast normal. Ihr erster Gedanke zu Corona („Ohne Kundenkontakt ist unsere Tätigkeit nicht möglich…“) hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Als Azubi fährt Michaelis derzeit nur mit einem Gesellen zu Kunden, statt wie sonst zu wechseln. Vor Ort lassen sich die Vorsichtsmaßnahmen problemlos einhalten. Und die Auftragslage sei sehr gut. „Wir sind bis in den Sommer ausgebucht“, erzählt die angehende Mechatronikerin. Man hört es schon heraus: Die junge Frau, die im 4. Semester Handwerksmanagement studiert und gleichzeitig ihre Ausbildung zur Kälte-Fachfrau absolviert, identifiziert sich stark mit „ihrem“ Betrieb, der Firma Coolconcept aus Solingen mit insgesamt 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die beste Entscheidung

„Es könnte nicht besser sein“, bestätigt sie, und erzählt, wie bei ihrer Entscheidung für die Ausbildung und das Studium eins zum andern kam. Fürs Handwerk interessierte sie sich, „weil ich schon immer wusste, dass ich nicht die ganze Zeit am Schreibtisch sitzen will.“ Ihrem Vater, einem Schreiner, hatte sie als Jugendliche ab und zu geholfen; in den letzten beiden Jahren vor dem Abitur, als sie ernsthaft angefangen hatte zu überlegen, was sie nach der Schule machen wollte, lernte sie in diversen Praktika eine Schreinerei, ein Sanitär-Unternehmen und die Arbeit in einem Architekturbüro kennen. Schließlich landete sie bei der Kältetechnik und der Firma Coolconcept – was sie gleich angesprochen hätte, „vor allem das tolle Team!“ Mit ihrem Entschluss „Das probiere ich jetzt einmal“ ist sie heute sehr zufrieden. Es hat sich herausgestellt: Die anfänglich befürchtete „Hürde“ existierte überhaupt nicht (im Gegenteil: Die einzige Hürde ist häufig eine selbst auferlegte Denk-Beschränkung).

Das triale Studium war nur der nächste, folgerichtige Schritt. Nachdem ihre Tante diese Option im Internet entdeckt hatte, ließ Lea Michaelis sich beraten und ging auf ihren Chef zu, im Wissen, dass diese Kombination genau richtig für sie wäre. Dabei ist sich Michaelis bewusst, dass die fünf Jahre nicht einfach werden. In den ersten beiden Semestern gewöhne man sich recht schnell an den Rhythmus, im 3. und 4. Semester habe es aber noch einmal deutlich angezogen. Ihr Rezept gegen kleine Antriebsschwierigkeiten? „Du weißt ja, wofür du das machst – und dann ist die Motivation auch wieder da.“ Offen und neugierig müsse man sein, Selbstvertrauen haben. Dafür werde man dann auch belohnt. Sie merke jeden Tag, so Michaelis, welche unterschiedlichen Möglichkeiten sich ihr noch eröffnen. Da seien „keine Grenzen gesetzt.“

Auch als Frau in einem eher „männlich“ geprägten Umfeld übrigens nicht! Wenn es in ihrem Gewerk auch immer noch wenige Betriebe mit weiblichen Azubis gibt und sie in der Berufsschulklasse die einzige ist – wirkliche Probleme gibt es für Lea Michaelis nicht. Nur wenige Arbeitsvorgänge stellen sie vor Schwierigkeiten („Ein 60 Kilo-Außengerät kann ich nicht heben“) – da gibt es hilfsbereite Kollegen. Bei den Kunden trifft sie höchstens einmal auf anfängliche Überraschung, und selbst unverbesserliche Sprücheklopfer hören schnell auf, sobald sie merken: „Die kann ja was.“ Im Team wissen sie das sowieso.

Trial studieren: das Konzept

Das triale Studium, bei dem die Teilnehmenden innerhalb von fünf Jahren Ausbildung, Meisterfortbildung sowie ein betriebswirtschaftliches Bachelorstudium „Handwerksmanagement“ absolvieren, ist auch für die Unternehmen ein Erfolgsmodell: Sie können nicht nur Führungspositionen mit dem eigenen Nachwuchs adäquat besetzen, Positiv-Beispiele ziehen weitere potentielle Auszubildende und Mitarbeiter an.

Grundsätzlich kann der triale Studiengang mit jedem handwerklichen Ausbildungsberuf kombiniert werden und steht auch denjenigen offen, die ihre Ausbildung bereits begonnen oder schon abgeschlossen haben. „Voraussetzung für einen Studienplatz ist jedoch, dass der Bewerber über (Fach-)Abitur verfügt oder eine als gleichwertig anerkannte Vorbildung vorweisen kann“, so Rebecca Haag. Sie berät Betriebe bei Fragen rund um das triale Studium und unterstützt bei der Suche nach qualifizierten Auszubildenden. „Unternehmen, die an einem trialen Studenten interessiert sind, können sich in unsere Betriebsliste aufnehmen lassen und so Bewerbungen von geeigneten Kandidaten erhalten.“ Um die Eignung der angehenden Studenten zu prüfen, hat die Handwerkskammer einen Online-Test entwickelt. Er gibt Studieninteressierten wichtige Einblicke in die Lehrinhalte, damit diese frühzeitig herausfinden können, ob das Studium den eigenen Vorstellungen und Kenntnissen entspricht. Kontakt in der HWK Düsseldorf unter Tel.: 0211/ 8795-605 oder E-Mail: rebecca.haag@hwk-duesseldorf.de.

Die Bewerbungsphase für das Wintersemester 2020/21 läuft noch bis zum 15. Juli.
hs-niederrhein.de/services/studieninteressierte/bewerbung
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Weitere Informationen unter www.triales-studium.nrw

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