Warum projektbasiertes Lernen die beste Lernform ist und ich diese in der Schule sehr vermisse!

Seit etwas mehr als einem Jahr arbeiten wir nun schon an unserem Startup – neben der Schule. In diesem einem Jahr konnte ich so schnell und so viel, wie noch nie in meinem Leben zuvor, für mich lernen. Vergleicht man diesen Lernfortschritt mit dem aus der Schule, so stellt man traurigerweise fest, wie langsam und mit was für einer Lustlosigkeit man in der Schule oftmals lernt. Genau aus diesem Grund behaupte ich, dass jede/r Schüler*in neben der Schule unbedingt ein eigenes Projekt starten sollte!

Als 11-jähriger mit Photoshop die ersten Thumbnails für den eigenen YouTube Kanal entworfen.

Das erste Mal, dass ich mit dem projektbasiertem Lernen in Kontakt gekommen bin, war im Alter von elf. Zusammen mit meinen Freunden habe ich das Spiel Minecraft gespielt. Das Problem war nur, dass das Spiel einen leistungsfähigen Computer benötigte, um es flüssig zu spielen. Geld für einen neuen Rechner hatte ich nicht. Zum Austragen von Zeitung war ich noch jung. Also wollte ich YouTuber werden, um mir einen neuen Rechner zu finanzieren.

Gesagt, getan. Also schaute ich mir von morgens bis Abends YouTube Tutorials an, wie man seinen Bildschirm aufnimmt, das Video schneidet, ein Thumbnail mit Photoshop erstellt und anschließend das Video auf YouTube hochlädt. Nach dem ersten Video folgte das Zweite, dann das Dritte und so weiter. Immer wieder schaute ich mir andere YouTube Tutorials über Photoshop, Premiere und After Effects an, um meine Videos zu verbessern – so steigerte sich die Qualität von Video zu Video. Nach 2 Jahren hatte ich insgesamt 30 Videos, ca. 300 Abonnenten und sogar 40.000 Aufrufe.

Mit mehr Fokus auf den Designbereich verkaufte ich dann für andere YouTuber Intros, Banner, Profilbilder, Thumbnails und vieles mehr. Auch dadurch lernte ich wieder einige neue Dinge wie Verkaufen von Produkten, wirtschaftliches Denken und vieles mehr. So durfte ich auch zum Beispiel die Thumbnails für einen YouTuber mit 130.000 Abonnenten die Thumbnails erstellen.

Wie ich zum Programmieren kam

Im Alter von 14 Jahren wollte ich zusammen mit meinen Freunden einen eigenen Minecraft-Server aufbauen, auf dem dann andere Nutzer spielen konnten. Die Spieler sollten dann die Möglichkeit haben, neue Minigames und weitere zusätzliche Vorteile freizuschalten, wenn diese einen bestimmten Rang erkauften (Freemium). Dafür waren aber eigene Plugins notwendig, die mit Java programmiert werden mussten. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich aber noch nicht programmieren. Ich wollte aber unbedingt einen eigenen Server aufbauen und so schaute ich mir mehrere Online-Kurse zum Programmieren an, wie z. B. die vom Hasso-Plattner Institut. So lernte ich dann das Programmieren direkt mit einem Anwendungsfall.

Nur durch ein Computerspiel startete ich meine ersten eigene Projekte wie einen YouTube-Kanal, einen Designshop, einen eigenen Minecraft-Server durch die ich dann Erfahrungen im Bild- und Videobereich, aber auch in der Programmierung sammeln konnte.

Die Idee zur eigenen App

Im März 2018 hatte ich dann die Idee für eine eigene App: Sharezone. Ein vernetzter Schulplaner, mit welchen man das Hausaufgabenheft, das Schwarze Brett und die Dateiablage direkt mit dem gesamten Kurs in wenigen Klicks teilen kann und so die Organisation in der Schule schneller, einfacher, übersichtlicher und digitaler gestalten kann.

Durch Startup Teens bekamen wir große Motivation an der Challenge teilzunehmen und unser erstes eigenes Startup zu gründen. Die Entscheidung, an der Challenge teilzunehmen, war einer meiner besten Entscheidungen überhaupt, denn wir haben im Laufe der Zeit so viel neues lernen können und haben uns ungeheuer weiterentwickelt.

Angefangen hat es mit dem Businessplan, der ein Kriterium für die Challenge war. Denn um einen Businessplan zu schreiben, mussten wir uns mit Themen wie dem Geschäftsmodell, der Finanzierung, dem Wettbewerb, dem Markt, dem Marketing und vielen weiteren Bereichen beschäftigen und dafür Strategien entwickeln.

Darüber hinaus brauchten wir auch einen Prototypen, bzw. auch später eine marktreife App, die von uns programmiert werden musste. Keiner von uns hatte bisher an so einem großen Programmierprojekt gearbeitet. Aber das machte nichts, denn wir haben es einfach durch Ausprobieren gelernt (Learning by Doing). Nach und nach kam eine immer bessere Struktur in unseren Entwicklungsprozess.

Auch das enge Arbeiten im Team war für uns neu. Zwar arbeitet man in der Schule auch mal öfters in Gruppen zusammen, aber diese kommen mir oft etwas aufgezwungen vor, damit man auch mal eine Gruppenarbeit in seinen Unterricht eingebracht hat. Die Gruppenarbeit in der Schule lässt sich kaum mit der Teamarbeit eines Unternehmens vergleichen.

Die Bedeutung, warum ein gutes und großes Netzwerk einer der wichtigsten Dinge im Berufsleben ist, ist mir erst durch unser Startup klar geworden. Auch wie man “netzwerkt”, lernte ich dank unseres Startup. Ebenfalls den Vertrieb von Produkten konnten wir innerhalb der letzten Monate sehr gut lernen. Gleiche gilt auch für das “Pitchen” seines Startups, also das Präsentieren seines Produktes.

All dies sind Kenntnisse, die man so in der Schule kaum bis gar nicht vermittelt bekommt, jedoch aber sehr wichtig im Berufsleben sind.

Projektbasiertes Lernen fehlt mir in der Schule

Wie gerade eben aufgezeichnet, konnten wir sehr viel in dem letzten Jahr lernen. Viele verschiedene Kenntnisse, die wir aber alle an einem großen Projekt anwendungsbezogen vermittelt bekommen haben.

In der Schule ist es jedoch genau das Gegenteil. Dort wird der Unterricht in ca. 10 Fächern unterteilt, wodurch es erschwert wird, übergreifend zu unterrichten. Durch das projektbasierte Lernen hat man als Lernender immer direkt einen klaren Anwendungsbezug zum gelernten. Es ist immer direkt klar, wofür man etwas lernen muss und wofür man es braucht. Anderes ist es wieder in der Schule. Nur in den wenigsten Fällen wird das “Warum?” für ein Thema auch vermittelt. So bekommt als Schüler*in das Gefühl, dass z. B. Mathematik nur erfunden wurde, um Schüler*innen zu quälen.

Fazit

Abschließend kann ich nur zusammenfassen, dass wir alle im Team vor allem in den letzten Monaten einen riesigen Sprung in der persönlichen Entwicklung dank unseres Startup gemacht haben. Alleine in einem Jahr konnten wir in folgenden Bereichen unglaublich viel lernen: Arbeiten in einem Team, große Softwareprojekte planen und programmieren, Präsentieren, Verkaufen, Marketing, Netzwerken, agile Arbeitsmethoden und vieles weitere. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass jede/r Schüler*in ein eigenes Projekt starten sollte – egal ob es ein YouTube-Kanal, eine App, eine Webseite, ein eigener Shop oder was auch immer ist.


Über den Autor Nils Reichardt
Altert: 18
Wohnort: Düsseldorf
Schule: Lessing-Gymnasium in Düsseldorf (https://lgbk.de)
Klasse: 12. Klasse (von 13. – bin von der Gesamtschule aufs Gymnasium gewechselt, deswegen habe ich anders als die meisten nicht G8, sondern G9)

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