Menschen sprechen zu leise über wichtiges, zu laut über unnötiges, zu viel über andere, zu wenig miteinander, und zu oft ohne nachzudenken.

Was uns bewegt - Heute mit Joshua Klösters

25. März 2021

Foto: Jugend Forscht-Präsentation - Foto: privat

Joshua Klösters ist 19 Jahre alt und besucht das Berufskolleg Kleve des Kreises Kleve.

Die Corona-Pandemie legt derzeit das gesamte öffentliche Leben lahm. Schulen blieben mehrere Wochen geschlossen, Homeschooling mutierte zum neuen Modewort, die sozialen Kontakte waren massiv eingeschränkt. Wie gehst Du damit um und was fällt Dir dabei am schwersten?

Besondere Zeiten, erfordern besondere Maßnahmen. Ich selbst bin deshalb kein Freund davon an alten Strukturen festzuhalten, die unter anderen Bedingungen entstanden sind, weswegen sich auch mein Alltag im Zuge dessen geändert hat. Der Tag endet und beginnt später, weshalb die Produktivität entscheidend steigen kann. „Kann“ deshalb, weil genau das, meiner Meinung nach, das Schwerste an der Situation ist: Motivation zu finden und produktiv zu sein. Wenn ich von morgens bis in den Nachmittag hinein nur vor dem Schreibstich sitze und danach versuche zu lernen, ist dies fast schier unmöglich, da es mir so vorkommt, als würde dieses monotone und undynamische Bild aus dem Fenster, den Raum immer kleiner werden lassen. Natürlich lassen sich zur Bewältigung dieses Problems auch Methoden finden, wie z.B. Sport als „Tapetenwechsel“, wonach eine Wiederaufnahme des Lernens möglich ist. Es ist aber meine Erfahrung, dass im Vergleich zwischen Präsens- und Online-Beschulung, trotz mehr Zeit, die Produktivität im Alltag des Präsensunterrichts deutlich höher ist.

Wie an annähernd jeder Schule gibt es Lehrer*innen, die spannenden, abwechslungsreichen und nachhaltigen Unterricht gestalten, aber auch solche, die es nicht so draufhaben. Wie findest Du die Idee einer Feedback-Kultur, in der Schüler ihre Lehrkräfte mit altersgerechten Fragen bewerten?

Dieser Idee würde ich durchaus zustimmen. Kommunikation ist immer das A und O um effizient miteinander zu arbeiten oder auch auszukommen. Häufig steht diese Kommunikation zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen aber im Hintergrund, was ich persönlich sehr schade finde, denn zum Unterricht gehören immer zwei Seiten, die Schülerschaft und die Lehrerschaft. Eine Feedback-Kultur würde folglich im Interesse jeder Seite liegen. Die Schüler*innen können durch das Feedback den Unterricht so anpassen und verbessern, dass dieser Spaß macht und zur Weiterbildung anregt. Auch die Lehrerschaft profitiert in dem Sinne, viel Unterrichtsstoff erfolgreich vermitteln zu können. Nur durch Abstimmung untereinander gelingt diese effiziente Gestaltung des Unterrichts.

Als Beispiel kann ich meine Schule nennen. Um den Online-Unterricht langfristig zu verbessern wurde eine Umfrage gestartet, welche letztendlich in einem Diskurs von Schülerschaft und Lehrerschaft ausgewertet wurde. Ich finde diese Aktion besitzt eine Transparenz gegenüber Schüler*innen, die in Corona-Zeiten häufig fehlt.

Bereits zum achten Mal ist der World Happiness Report erschienen, der darüber informiert, wo die Menschen auf der Welt am glücklichsten mit ihrem Leben und Umfeld sind. Wie auch im Vorjahr sind die Menschen in Finnland in ihrem Alltagsleben am glücklichsten. Was bedeutet Glück für Dich?

Das ist eine schwierige Frage. Oftmals ist es leider so, dass einem erst klar wird, was für einen persönliches Glück ist, wenn dieses Glück fehlt. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass das eigene Glück aus mehreren Facetten besteht, die man direkt gar nicht definieren kann. Eine Facette für mich ist jedenfalls, mit mir selbst zufrieden zu sein und Leute um mich herum zu haben die mir guttun. Besonders Letzteres möchte ich hervorheben.

Persönlich würde ich sagen, dass die eigene Zufriedenheit mit sich, auch vom Umfeld abhängt, welches auf einen wirkt. Wirkt mein Umfeld positiv auf mich und motiviert und stärkt mich bei Vorhaben, ich bin viel erfolgreicher, als mit einem toxischen Umfeld, was mich mehr oder weniger die ganze Zeit herunterzieht.

Das man nicht immer mit sich selbst zufrieden ist, ist klar und eigentlich ist es ein einziges Auf und Ab. Wenn das Umfeld aber stimmt, hilft es einem sich wiederaufzurichten und auch in hoffnungslosen Situationen, wenn man selbst häufig schon aufgegeben hat, eben genau nicht aufzugeben. Mit einem stabilen Umfeld, bleibt man an seinen Aufgaben dran und ist folglich gewissermaßen erfolgreicher, was sich, meiner Ansicht nach, wiederum, auf die Selbstzufriedenheit auswirkt.

Stell Dir vor Du wärst der neue Bildungsminister in Deinem Bundesland. Welche Dinge würdest Du mit welcher Begründung sofort umsetzen?

Dort würden mir zwei grundlegende Aspekte direkt einfallen: Zum einen eine landesweite Reform zur besseren Umsetzung der Chancengleichheit. Schließlich kann es nicht angehen, dass im Jahr 2021, zwar Angebote geschaffen werden, die an Chancengleichheit erinnern, aber letztendlich immer noch weit entfernt, vom tatsächlichen Standard sind. Als Beispiel: Es wird dafür gesorgt, dass jede*r Schüler*in ein digitales Endgerät hat, es wird aber keine Sorge dafür getragen, ob die betroffene Person ein stabiles WLAN-Netz besitzt oder gar einen eigenen Raum zum konzentrierten Lernen.

Des Weiteren würde ich mich dafür einsetzen, die Digitalisierung weiter und schneller voranzutreiben. Besonders in den Anfängen der Pandemie haben wir gesehen (und auch noch heute sehen wir), wie schlecht Deutschland als Industrienation in der digitalen Welt abschneidet. Dort sehe ich Besserungsbedarf, wie stärkeren Ausbau von Glasfasernetzwerken oder allgemeinen qualitativ höheren, landeseigenen Bildungssystemen (hier bei uns in NRW „Logineo“), die nicht abstürzen, sobald mehrere Millionen Schüler*innen diese Plattform nutzen.

Eure Generation bekommt nun mit, wie vieles, das lange unzerstörbar schien, zu zerfallen droht: Europa, Demokratien, die stabilen Machtverhältnisse in der Welt. Ihr wachst mit Debatten über selbstfahrende Autos und Künstlicher Intelligenz auf, in einer Zeit großer Umbrüche und großer Angst. Was macht Dir Angst?

Zwei Dinge. Eine akute Angst und eine eher langfristige Angst. Die akute Angst betrifft die Corona-Leugner. Zwar trifft es nicht auf alle zu, dennoch sind viele von Ihnen auf einem Rebellionsmarsch die Demokratie zu Nichte zu machen. Anfangs fand ich das Alles noch sehr unterhaltsam und in der Schule haben wir unter uns Mitschüler*innen darüber lustig gemacht, welche Aussagen, in Dokus wie von Spiegel TV zu hören waren. Doch mittlerweile ist erkennbar, dass das Ganze kein kurzweiliger Trend ist, sondern auch Taten folgen, wie z.B. der gescheiterte Versuch den Bundestag zu stürmen bzw. die unerlaubte Einschleusung von Rechtsradikalen in den Bundestag.

Die langfristige Angst bezieht sich auf den Wandel der Gesellschaft. Die Gesellschaft wird immer gieriger und rücksichtsloser, ausgehend davon, dass Geld und Besitztümer immer mehr in den Vordergrund rücken. Nicht falsch verstehen, ich befürworte den Kapitalismus, nur darf dieser die allgemeine Menschlichkeit nicht unterwandern. Wir sehen schon heute so viel Ausbeutung und menschenunwürdige Lebensbedingungen, wobei häufig Großunternehmen die ausschlaggebende Ursache sind. Da nichts den Anschein macht, als würde sich etwas in Zukunft verändern, wird sich die Lage zuspitzen und letztendlich davon abhängige Probleme fördern, wie z.B. die Umweltverschmutzung und daraus folgende Naturkatastrophen und Flüchtlingswellen.

Kategorie:
Veröffentlicht am 25.03.21

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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