Was uns bewegt – Heute mit Miriam Weber

Miriam Weber ist Schülerin des Wilhelm-Erb-Gymnasiums in Winnweiler und besucht die 12. Klasse. Seit 2018 ist sie im Landesvorstand der Landesschüler*innenvertretung von Rheinland-Pfalz, war Mitbegründerin der Auszeichnung „Nachhaltige Schule“ und engagiert sich vielfältig ehrenamtlich in ihrer Freizeit.


Die Corona-Pandemie legt derzeit das gesamte öffentliche Leben sowie die uns bekannten Selbstverständlichkeiten lahm. Schulen bleiben noch mehrere Wochen geschlossen, die sozialen Kontakte sind massiv eingeschränkt. Was macht das mit Dir und was ist für Dich das kleinere Übel, nicht in die Schule zu gehen oder sich mit nervigen Eltern und Geschwistern herum plagen zu müssen?

In meinem Fall ist es definitiv letzteres. Schule bedeutet für mich oft Stress und der Druck auf Knopfdruck von acht Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags perfekte Leistung zu erbringen ist immer da. Durch das Homeschooling kann ich meinen Alltag viel entspannter und stressfreier gestalten. Ich kann länger schlafen, bin produktiver und habe trotzdem noch ausreichend Zeit für mich. Ich kann alles in meinem Tempo durchgehen und lernen, was in der Schule durch die großen Klassen meist nicht möglich ist und man als Individuum untergeht.

Digitales Lernen ist ein Thema, dass viele derzeit interessiert. Wie sieht das an eurer Schule aus, noch Kreidetafel und Overhead-Projektor oder schon Einsatz digitaler Unterrichtsmedien und wie beurteilst Du die Medienkompetenz eurer Lehrer*innen?

Meist wird rein die Kreidetafel benutzt und es gibt wenige Lehrkräfte die sich an digitales herantrauen und dann auch wirklich damit umgehen können. Neuerdings haben wir auch Beamer in jedem Saal, die aber meist nicht genutzt werden, da die Lehrkräfte lieber auf das Bekannte zurückgreifen. Änderung, etwas Neues und etwas, das Abstand zu Bekanntem nimmt, macht den Leuten meistens Angst, es überfordert sie oder es interessiert sie nicht. Dies kann man auch auf Lehrkräfte beziehen. Durch mein Amt in der LSV bekomme ich viel von anderen Schulen mit und bekomme dort oft das rückgemeldet, was mir persönlich auch auffällt, es sei denn es ist eine private oder (oftmals) auch Gesamtschule, da diese mehr Geld für digitales bekommen/haben.

Für viele Jugendliche ist das frühe Aufstehen zur Schulzeit eine Qual. Der Kindersender Kika hat dazu im letzten Jahr eine Studie unter 1.300 Erst- bis Sechstklässlern*innen veröffentlicht. Im Schnitt wünschten diese sich einen Schulstart um 08.40 Uhr. Wie ist Deine Meinung dazu, späterer Schulstart sinnvoll?

Ich bin definitiv für späteren Schulbeginn, da ich jeden Morgen um sechs Uhr spätestens aufstehen muss, um rechtzeitig in der Schule zu sein. Wenn man am Vortag noch lange an Aufgaben sitzen musste, ist man müde und hat keine Konzentration über den Tag hinweg. Wenn die Schule später beginnt, muss sie auch später aufhören, das ist klar. Jedoch wäre die Konzentration durch das länger Schlafen besser und die Schüler*innen wären ausgeglichener und stressfreier, da dann auch wirklich Zeit zum Frühstücken bleibt, ohne dass man um fünf aufstehen muss. Man sollte aber immer bedenken, dass es manchen Schüler*innen trotzdem lieber ist früh in die Schule zu gehen.

Jeden Freitag demonstrierten bisher Schüler*innen für einen besseren Klimaschutz mit ihrer Initiative “Fridays for Future”. Die Schüler*innen-Demos gegen den Klimawandel spalten weiter die Politik. FDP-Chef Christian Lindner sprach den Schülern*innen ausreichend Wissen beim Thema Klima ab und fügte hinzu: „Das ist eine Sache für Profis.“ Was lösen solche Aussagen von Politikern*innen bei euch aus, weitere Politikverdrossenheit oder “Jetzt erst recht”?

Ich finde seine Aussage sehr traurig, da selbst die Expert*innen im Bereich Klima ähnliche, gar gleiche Aussagen treffen wie die Demonstrierenden. Er ignoriert die Meinung der Menschen, die die Zukunft der Welt sind, die er gerade kaputt gehen lässt. Er impliziert mit seiner Aussage, dass die jungen Menschen keine Ahnung von der Klimakrise haben und zeigt zeitgleich, dass er sie nicht ernst genug nimmt. Durch solche Aussagen will ich nur noch mehr beweisen, dass man auf uns hören sollte und weiter auf die Klimakrise aufmerksam machen.

In eurem Bundesland Rheinland-Pfalz tagte im letzten Jahr erstmals der Runde Tisch Schule.Nachhaltig.Gestalten“. Was genau waren eure Beweggründe und gibt es jetzt schon erste greifbare Ergebnisse?

Das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist immer wichtiger geworden und wir, die Landesschüler*innenvertretung Rheinland-Pfalz haben überlegt, wie wir denn dies in den Schulen verankern können. Es fing mit dem Thema Mülltrennung an und entwickelte sich zu einem riesigen Projekt. Mit unserer Auszeichnung wollen wir den Schwerpunkt auf die Partizipation von Schüler*innen legen und deren Engagement in der Schule auszeichnen. Dadurch bieten wir Schulen einen niederschwelligen Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz, sodass diese im nächsten Schritt eine BNE-Schule werden können. Wir haben schon zahlreiche Bewerbungen, die wir dann ab Mai auswerten werden und mit der Auszeichnung beginnen werden.

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