Wo würde man Jesus finden, wenn er heute zur Welt käme?

Ein Projekt der Klasse 9a, Liebfrauenschule Geldern

Angenommen, ein Mann wäre mit seiner hochschwangeren Partnerin unterwegs, und das nicht freiwillig, sondern weil sie unbedingt bei einer Behörde vorsprechen müssen. Dann setzen auch noch die Wehen ein, doch das Paar findet weder Hotel noch Pension, geschweige denn ein Krankenhaus. Das Kind kommt unter extremen Umständen zur Welt – in einer Notunterkunft. Kurz darauf muss die junge Familie auch noch aus dem Land flüchten, weil Mörder des Herrschers Kinder töten wollen. Das ist die harte Realität der Weihnachtsgeschichte. Um sie richtig zu verstehen, muss man die Sache wohl verfremden. Wo würden wir Jesus finden, wenn er heute in unserer Stadt Geldern zur Welt käme? Dieser Frage sind wir im Religionsunterricht nachgegangen!

Angeregt durch die Diskussion über dieses Thema entstand bei uns die Idee, unsere Vorstellungen fotografisch umzusetzen. Die Krippenfiguren der Heiligen Familie stehen nun also nicht mehr in einem gemütlichen Stall unter dem Tannenbaum, sondern vor der Halfpipe, vor der JVA-Pont, an einer Bushaltestelle oder im Parkhaus – also mitten in unserer Stadt! Aber – alle Fotos zeigen öffentliche Plätze, die so gar nicht beschaulich wirken.

Bild: Niederrhein-Nachrichten, Theo Leie

Wir möchten unsere Gedanken zu diesem Thema gern einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Deshalb stellen wir unsere Krippenfiguren mit den verschiedenen Fotokulissen während der Advents- und Weihnachtszeit in der Gelderner Innenstadt in den Schaufenstern der Geschäfte aus. Durch die ungewöhnliche Präsentation wollen wir alte Sehgewohnheiten aufbrechen und die eigentliche Botschaft von Weihnachten wieder sichtbar machen: Gott wird Mensch. Uns fällt nicht mehr auf, wie sensationell das ist. Weil wir diese Formulierung schon so oft gehört haben, hat uns das offenbar abgestumpft. Dass Gott Mensch wird, nehmen wir deshalb wie selbstverständlich hin.

Weihnachten bewegt alle Menschen: Kinder und Jugendliche genauso wie die Erwachsenen. Auch wenn es oft nicht gelingt: Wir wünschen uns ein behagliches, stimmungsvolles Fest in der dunkelsten Zeit des Jahres, mit Lichterglanz und leuchtenden Augen. Auch wenn es Streit und Ärger geben kann: Es ist ein Fest der Familie, und es holt uns mit seinen Bräuchen und Liedern aus der Routine des grauen Alltags heraus. Das ist auch in Ordnung – aber nur dann, wenn wir da­rüber die zentrale Botschaft von Weihnachten und die Menschen in Not nicht vergessen.

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