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5 alternative Wege zum Medizinstudium: NC-frei zum Ziel

23. Juni 2021

Jedes Jahr befinden sich zahlreiche Schulabgänger*innen in derselben Situation: Wer Medizin studieren will, benötigt den perfekten Abiturdurchschnitt – oder die Chancen stehen schlecht. Ganz korrekt ist diese Annahme jedoch nicht. Das Standardaufnahmeverfahren zum staatlichen Studiengang Humanmedizin sieht zwar vor, einen Großteil der Studienplätze anhand des Numerus Clausus (NC) zu vergeben, allerdings ist dies bei weitem nicht mehr die einzige Möglichkeit: Wir stellen 5 alternative Wege wie beispielsweise die Medizin Losverfahren vor, die ohne 1,0er-Abi zum Medizinstudium führen können. 

1. Landarztquote 

Die Landarztquote wurde erst 2020 vom Deutschen Bundestag beschlossen und ist somit ein relativ neues politisches Instrument, das gegen die ärztliche Unterversorgung in ländlichen Regionen vorgehen soll. Bis zu 10% aller verfügbaren Medizinstudienplätze können heute von den Bundesländern unabhängig vom eigentlichen Bewerbungsverfahren vergeben werden. Die Gegenleistung: Studierende, die ihren Studienplatz über die Landarztquote erhalten, verpflichten sich zum hausärztlichen Dienst auf dem Land. Bis zu 10 Jahre nach dem Studienabschluss und der Facharztweiterbildung muss in akut medizinisch unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten ländlichen Gegenden praktiziert werden. Kurz gesagt bedeutet das für euch: Wer dazu bereit ist, sich schon vor Beginn des Studiums auf ein Jahrzehnt im Grünen festzulegen, erhält die Chance, auch ohne Einser-Abi einen Medizinstudienplatz zu erlangen. 

Der Bewerbungsprozess für einen Studienplatz über die Landarztquote sieht den Abiturdurchschnitt nicht mehr als alleiniges Kriterium vor. Zwar werden die schulischen Leistungen noch mitberücksichtigt, doch es wird mehr Wert auf die Beurteilung der individuellen Qualifikation und Motivation für die hausärztliche Tätigkeit gelegt. Folgende Kriterien spielen bei der Auswahl eine Rolle: 

  • Beurteilung persönlicher und fachlicher Qualifikationen
  • schulische Leistungen
  • Test für medizinische Studiengänge (TMS)
  • Auswahlgespräch

Die Landarztquote wurde bereits in einigen Bundesländern eingeführt, während sich andere noch in der Planungsphase befinden oder sich gegen eine Umsetzung entschieden haben. Diese interaktive Karte hält euch deutschlandweit auf dem Laufenden. 

2. Losverfahren 

Der Klassiker unter den NC-freien Wegen zum Medizinstudium ist die Anmeldung zum Losverfahren. Die einzige Voraussetzung dafür ist die allgemeine Hochschulreife und die Auswahl erfolgt nach purem Zufallsprinzip – schulische Leistungen oder berufliche Vorerfahrung spielen hier keine Rolle. Mit dem Abiturzeugnis kann sich jeder beim lokalen Losverfahren anmelden, sofern es von der jeweiligen Universität angeboten wird. Hier verkompliziert sich das Ganze ein bisschen: An welchen Universitäten eine Anmeldung zum lokalen Losverfahren möglich ist, ändert sich in jedem Semester. Wer seine Chancen auf einen Medizinstudienplatz maximieren und an möglichst vielen Losverfahren teilnehmen möchte, sollte die Universitätslandschaft also gut im Auge behalten. 

Da es sich beim Losverfahren nicht um einen zentralisierten Prozess handelt, können sich auch die formalen Kriterien je nach Universität voneinander unterscheiden. Jede Universität hat individuelle Anmeldezeiträume, Fristen und Vorgaben hinsichtlich der Bewerbungsform. Zusätzlich dazu, welche Universitäten im jeweiligen Semester überhaupt ein Losverfahren anbieten, muss also auch auf die individuellen Richtlinien für die Bewerbung geachtet werden. Eine Möglichkeit ist es, einen entsprechenden Service in Anspruch zu nehmen, der euch automatisch deutschlandweit zu allen Losverfahren anmeldet. 

3. Bundeswehr

Auch wenn mit dem Traum vom Studium der Humanmedizin üblicherweise nicht der Wunsch einer militärischen Karriere einhergeht, kann ein Studium bei der Bundeswehr eine NC-freie Alternative zum herkömmlichen Bewerbungsverfahren bieten und damit die Chancen auf einen Medizinstudienplatz erhöhen. Von der Bundeswehr werden pro Semester ca. 250 Studienplätze an den staatlichen Hochschulen reserviert. Der Zugang zu diesen erfolgt über das bundeswehreigene Bewerbungsverfahren, dem dreitägigen Offizier-Test. Dabei kommt Folgendes auf euch zu: 

  • Ärztliche Untersuchung
  • Computertest (Mathe, Deutsch)
  • Assessmentcenter (Diskussion in der Gruppe, Vortrag, persönliches Interview)
  • Sporttest (Sprint, Kraft, Ausdauer) 
  • Studieneignungsfeststellung in Form eines Gesprächs

Wenngleich die schulischen Leistungen nur eine untergeordnete Rolle spielen, gibt es bei einer Bewerbung um einen Medizinstudienplatz bei der Bundeswehr einiges zu beachten. Wie der Name des Bewerbungsverfahren schon verrät, schlägt man auch als Medizinstudierende*r beim Militär eine klassische Offizierslaufbahn ein. Dazu gehört die militärische Grundausbildung nach bestandenem Offizier-Test, die Facharztbildung nach dem Studienabschluss in einem Bundeswehrkrankenhaus sowie die anschließende Anstellung als Soldat*in auf Zeit mit einer Verpflichtungszeit von mindestens 17 Jahren. Ein unbestreitbarer Vorteil ist, dass die Anstellung als Offizier*in natürlich auch mit dem entsprechenden Gehalt einhergeht – und das bereits mit dem Beginn des Studiums. Die Aussicht auf ein NC-freies, bezahltes Medizinstudium ist verlockend, sollte jedoch aufgrund der damit verbunden Verpflichtungen gut überdacht werden.

4. Privatuni in Deutschland 

Trotz der Tatsache, dass viele Schulabgänger*innen den Gedanken an eine Privatuni schnell als „zu teuer“ abtun, stellen die 7 medizinischen Privatuniversitäten in Deutschland eine Möglichkeit dar, NC-frei einen Medizinstudienplatz zu ergattern. Dazu kommt, dass es mittlerweile eine Vielzahl an Finanzierungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gibt, die kein großes Startkapital zu Studienbeginn erfordern: Oft genügt es, erst nach dem Abschluss mit der Zahlung der Studiengebühren zu beginnen (Umgekehrter Generationenvertrag) und häufig werden universitätseigene Stipendien- und Förderprogramme angeboten. 

Die Zulassungsverfahren zum Studiengang Humanmedizin unterscheiden sich je nach Privatuniversität. Generell sind diese, auch wenn schulische Leistungen in den Hintergrund treten und der Abiturdurchschnitt nicht mehr ausschlaggebend ist, meistens langwieriger und intensiver als der Bewerbungsprozess an staatlichen Unis. Üblicherweise muss man seine Qualifikation und Motivation bei theoretischen Tests, Gruppenaufgaben und persönlichen Interviews unter Beweis stellen. Hat man es jedoch erst einmal geschafft, kann man im Vergleich zum Medizinstudiengang an staatlichen Unis meistens kleinere Kursgrößen und mehr Praxisnähe genießen. Nähere Informationen zu allen 7 Privatuniversitäten Deutschlands erfahrt ihr in diesem exklusiven Privat-Uni Guide.

5. Medizinstudium im europäischen Ausland

Trotz des Mangels an Mediziner*innen ist das Studium der Humanmedizin in den meisten Fällen mit der Voraussetzung eines perfekten Abiturdurchschnitts verbunden. Hierbei handelt es sich jedoch um ein nahezu deutschlandeigenes Problem: Andere europäische Länder vergeben die begehrten Medizinstudienplätze oft nach anderen Kriterien, die nicht allein von den schulischen Leistungen abhängig sind. Wer dazu bereit ist, ein Studium im EU-Ausland anzutreten, kann an vielen Universitäten einen NC-freien Studienplatz erlangen – oft sogar mit der Chance, im Laufe des Studiums zurück an eine Universität in Deutschland zu wechseln. 

Zu den populärsten Optionen gehört das Medizinstudium in Österreich, da dort nicht nur der Abiturdurchschnitt eine untergeordnete Rolle spielt, sondern auch keine Studiengebühren anfallen. Auch Ungarn ist eine beliebte Wahl bei Studierenden aus Deutschland, da das Medizinstudium dort an einigen Universitäten sogar in deutscher Sprache angeboten wird. Die Semmelweis Universität in Budapest gehört unter anderem zu den Unis, die es ermöglichen, das Studium nach dem Physikum in Deutschland fortzusetzen. 

Typisch für internationale Auswahlverfahren sind medizinische Aufnahmetests, bei denen Fachwissen aus dem Bereich der Naturwissenschaften abgefragt wird. Je nach Unterrichtssprache kann auch das Absolvieren von Sprachprüfungen zu den Voraussetzungen für einen Medizinstudienplatz gehören. Klarer Vorteil: Wird der Studienabschluss Humanmedizin an einer europäischen Universität erlangt, wird dieser auch in Deutschland anerkannt. 

 

Diese 5 alternativen Wege zum Medizinstudium sollen vor allem eines verdeutlichen: Auch ohne Einser-Abi habt ihr die Möglichkeit, Ärztin oder Arzt zu werden. Ihr wollt sowieso lieber im Grünen leben? Dann ist eine Bewerbung über die Landarztquote eine perfekte Option für euch. Ihr habt Lust auf einen Auslandsaufenthalt? Im EU-Ausland gibt es zahlreiche Universitäten, deren Zulassung zum Medizinstudium nicht durch einen NC beschränkt sind. Nicht zuletzt könnt ihr eure Chancen maximieren, indem ihr euch für die lokalen Losverfahren anmeldet (oder anmelden lasst) – hierfür ist ein Abizeugnis die einzige Voraussetzung. Viele Wege führen zum Medizinstudium und ein Blick auf die Möglichkeiten neben dem klassischen Bewerbungsverfahren lohnt sich allemal!

Veröffentlicht am 23.06.21

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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