Menschen sprechen zu leise über wichtiges, zu laut über unnötiges, zu viel über andere, zu wenig miteinander, und zu oft ohne nachzudenken.

Das fordert die FDP für Schule 4.0

23. Juni 2017

2016 Bild Hafke

Die Digitalisierung beeinflusst in immer stärkerem Maße alle Lebensbereiche. Diese umfassende Umwälzung von Kommunikation und Vernetzung verändert nicht nur ebenso kontinuierlich wie rasant die Arbeitswelt, sondern übt in den letzten zwei Jahrzehnten auch einen immer größeren Einfluss auf die private Lebensgestaltung aus. Bereits heute prägt die Digitalisierung nachhaltig die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Befragungen haben ergeben, dass schon im Alter von 6 bis 7 Jahren ein Fünftel der Kinder ein Smartphone nutzt,

44 Prozent der 8- bis 9-Jährigen nutzen das Internet zum Beispiel für Hausaufgaben. Kommunikationsmedien stellen damit einen festen Bestandteil des Lebensumfelds für Heranwachsende dar. Während sich Medienkompetenz immer stärker zu einer unerlässlichen Kulturtechnik für eine selbstbestimmte, zukünftige Lebensgestaltung junger Menschen entwickelt, befinden sich viele Schulen aber noch im Stadium der Kreidezeit.

Schulische Bildung muss immer auch die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler aufnehmen und widerspiegeln. Wir müssen jungen Menschen heute das Rüstzeug an die Hand geben, damit sie eigenverantwortlich in einer digital geprägten Umwelt agieren und interagieren können. Dabei erschöpft sich Medienkompetenz nicht im Bedienen, Kommunizieren und Recherchieren. Zu einer umfassenden Medienkompetenz zählt auch das Reflektieren, sie beinhaltet Kooperation oder Produktion, Aspekte wie Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Der Wissensvermittlungsprozess muss auch die Schulung des Urteilsvermögens umfassen.

Diesem Anspruch können viele Schulen heute nicht entsprechen. Studien wie die „International Computer und Information Literacy Study“ bescheinigen Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern deutlichen Nachholbedarf. Bereits heute beklagen Wissenschaftler nicht nur eine zu geringe Leistungsspitze, rund ein Drittel der Schülerinnen und Schüler werden sogar als digitale Analphabeten klassifiziert. Auch „Schule digital, Der Länderindikator 2015“ hat deutliche Defizite in den Bundesländern offengelegt.

Vielfach ist, abgesehen von einigen Leuchttürmen, die IT-Ausstattung der Schulen erbärmlich. Oftmals verfügen Schulen nicht einmal über Breitbandanschlüsse und WLAN. Die Hardware ist veraltet, es mangelt an Software, viele Lehrkräfte verfügen nicht einmal über geschützte dienstliche E-Mailadressen, geschweige denn über den Zugriff auf einen digital ausgestatteten Arbeitsplatz. Es fehlt oftmals an schlagkräftigen und verlässlichen IT-Strukturen. Viel zu oft sind Einsatz, Wartung und Service digitaler Medien von dem Engagement einzelner engagierter Lehrkräfte abhängig. Dabei zeigen Befragungen ganz klar ein wachsendes Interesse der Lehrerinnen und Lehrer an der Nutzung digitaler Lehr- und Lernmethoden. Oftmals stehen neben der unzureichenden Ausstattung aber auch dringend gewünschte, qualitativ hochwertige Fortbildungen für Lehrkräfte nicht zur Verfügung. Dabei bedeuten die bestehenden digitalen Herausforderungen nicht einfach eine zusätzliche Aufgabe für die Lehrerinnen und Lehrer. Digitale Lehrmittel eröffnen Möglichkeiten, den Unterricht, das Fördern und Fordern zu bereichern. Sie können den Erwerb von Fachkenntnissen unterstützen oder den Unterricht vielfältiger und auch individueller gestalten. Und die Nutzung digitaler Möglichkeiten, das Teilen oder Ergänzen bestehender Lehrmaterialien kann für Lehrkräfte entlastend, auch bereichernd wirken.

Die von der FDP geforderte Schule 4.0 ersetzt keine anderen Kulturtechniken oder beschränkt die pädagogische Freiheit der Pädagoginnen und Pädagogen, sondern soll z.B. die Methodenvielfalt vergrößern und ergänzen. Sie erschließt zusätzliche Chancen der Vermittlung und Anwendung. Ausgehend von einem pädagogischen Konzept an jeder Schule müssen die bestehenden Möglichkeiten in den unterschiedlichen Fächern genutzt werden. Neben weiteren wichtigen Fragen wie der Lehrerausbildung oder auch der Einbindung z.B. von Open Educational Resources stehen zunächst insbesondere drei zentrale Handlungsfelder im Mittelpunkt. Um dem riesigen Investitionsstau entgegenzuwirken, brauchen wir einen digitalen Kraftakt für unser Bildungssystem. Die Freien Demokraten schlagen deshalb vor, in den nächsten fünf Jahren insgesamt 1.000 Euro pro Schülerin und Schüler in die Ausstattung der Schulen mit moderner Technik zu investieren, also z.B. in Breitbandanschlüsse, WLAN, Tablets, Notebooks, IT-Wartung und Service. Die Bundesländer müssen umfangreiche, qualitativ hochwertige zusätzliche Fortbildungsprogramme auflegen, um Lehrkräfte bestmöglich für die Nutzung und Vermittlung digitaler Kompetenzen zu qualifizieren. Gleichzeitig sind aus Sicht der FDP bundesweite fächerübergreifende verbindliche Bildungsstandards unerlässlich.

Ein solch digitaler Kraftakt kann nur in Verantwortung aller staatlichen Ebenen umgesetzt werden. Auch der Bund muss seinen Beitrag leisten und sich mit den Ländern auf einen Staatsvertrag für ein Sonderprogramm zur digitalen Infrastruktur verständigen. Deutschland muss die Chancen der Digitalisierung in den Schulen endlich aktiv nutzen, um bei dieser Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts nicht den Anschlusszu verlieren. Bei dieser zentralen Zukunftsfrage handelt es sich aus Sicht der Freien Demokraten also um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Kinder von heute haben ein Anrecht darauf, dass sie jetzt die beste Bildung erhalten, so dass sie ihr Leben eigenständig, selbstbestimmt und erfolgreich gestalten und die Chancen der Zukunft nutzen können.


Marcel Hafke ist Sprecher für Digitales und Gründungskultur der FDP-Landtagsfraktion NRW.

Veröffentlicht am 23.06.17

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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