Menschen sprechen zu leise über wichtiges, zu laut über unnötiges, zu viel über andere, zu wenig miteinander, und zu oft ohne nachzudenken.

Die Digitalisierung der Bildung oder, das gleiche lernt jeder anders.

28. Juli 2017

Aufgrund der zunehmenden Heterogenität der Lerngruppen gestaltet es sich für Lehrende zunehmend schwieriger eine individuelle Förderung und damit die Chancengleichheit im Unterricht zu gewährleisten. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an die Lernenden durch die Entwicklung der Kommunikationstechnologie. In Zukunft muss digital und vor allem lebenslang gelernt werden. Für Lehrende und Lernende wird sich in einer zunehmend digital werdenden Welt vieles verändern.

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Schon seit den 1980iger Jahren wurden Computer als Medium angesehen, die die Attraktivität des Unterrichts steigern können. Am Anfang der Revolution des Unterrichts entwickelte sich die Technik jedoch so schnell weiter, dass gerade angeschaffte Geräte schnell wieder veraltet waren. Mit dem Start der digital medialen Ausstattung von Schulen entwickelten sich verschiedene Plattformen, die Inhalte über das Internet angeboten haben. Inzwischen sind viele dieser Materialien, da die Plattformen nicht mehr aktualisiert werden, veraltet.

Mittlerweile hat sich die Technik, vor allem im Bereich der Leistung soweit entwickelt, dass angeschaffte Geräte, über einen längeren Zeitraum genutzt werden können, ohne dass diese sofort wieder als veraltet gelten. Bei den Materialien hingegen ist der Entwicklungsprozess stehen geblieben. Die Technik ist vorhanden aber der Inhalt, welche die Vorteile des digitalen tatsächlich nutzt, nicht. So kommt es vor, dass Klassen, die zwar mit Tablet-PCs ausgestattet sind, Bilder aus ihren alten Lehrbüchern abfotografieren müssen.

Die Problematik, die sich daraus ergibt ist, dass auf unterschiedliche Lernstile und Voraussetzungen der Lernenden, aufgrund dieser meist analogen Materialien, die mittlerweile lediglich über das Internet in Form von Open Educational Resources angeboten werden, nicht reagiert werden kann, trotz der Möglichkeiten des meist vorhandenen digitalen Endgerätes.

Digitale Bildung braucht auch digitale Inhalte.

Das menschliche Erleben und Lernen ist aus lernpsychologischer Sicht ein aktiver Konstruktionsprozess und hat deshalb wenig mit Passivität zu tun. Beeinflusst wird dieser konstruktive Prozess durch kognitive, neuronale, sinnesphysiologische und soziale Prozesse. Die Kernthese des Konstruktivismus ist deshalb, dass im Rahmen des Lernprozesses, Lernende sich ihre individuelle Lernumgebung konzipieren. Ob in einer bestimmten Situation gelernt wird, hängt somit von dem jeweiligen Lernenden selbst und dessen Erfahrungen ab.

 

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Die Digitalisierung von Abläufen ermöglicht deshalb einen völlig neuen Zugang zu einer großen Gruppe von Problemen. Folgende vier Eigenschaften von digitalen Umgebungen sind laut Janet H. Murray (Professorin für Literatur, Medien und Kommunikation) dafür verantwortlich:

 

  • Prozeduralität: Der Prozess kann nicht nur abgebildet werden, sondern man kann diesen auch ablaufen lassen. Inhalte die sonst nur statisch verbreitet werden können somit dynamisch vermittelt werden.
  • Partizipationsmöglichkeit: Der Nutzer kann mithilfe digitaler Umgebungen in die ablaufenden Prozesse eingreifen.
  • Räumlichkeit: Das Gefühl von Bewegung wird mithilfe einer digitalen Umgebung durch einen Datenraum durch seine Navigationsmöglichkeit geschaffen.
  • Enzyklopädie: In digitalen Umgebungen ist es möglich, große Datenmengen zu speichern, zu verarbeiten und zu präsentieren. Bisher muss bei traditionellen Medien immer nach einem Kompromiss zwischen Breite und Tiefe des darzubietenden Inhalts gefunden werden. Bei digitalen Lernumgebungen besteht dieses Problem nicht, denn ihr Potenzial für Breite und Tiefe ist nahezu unbegrenzt.

 

Aus diesen Eigenschaften leitet Murray drei Annehmlichkeiten für den Nutzer ab:

 

  • Immersion: Hierbei geht es um das Gefühl des Eintauchens in eine andere Welt. Vor allem partizipatorische „interaktive“ Medien steigern die Möglichkeit der Immersion.
  • Agency: Hierbei geht es darum, wie Dinge nach dem Willen des Nutzers innerhalb einer (digitalen) Umgebung gestaltbar sind. Die Handlung des Nutzers hat also tatsächlich erlebbare Folgen aus denen Ergebnisse resultieren.
  • Transformation: Durch digitale Umgebungen sind Transformationen auf verschiedenen Ebenen möglich. Vor allem als Repräsentationsform besitzen digitale Umgebungen enormes transformierendes Potenzial, da die Techniken aller traditionellen Medien simuliert werden können.

 

Für den Lehrenden ergeben sich durch die Digitalisierung der Bildung verschiedene Möglichkeiten, Materialien zu erstellen, welche den individuellen Voraussetzungen der Lernenden gerecht werden können.

Für die Lernenden besteht die Möglichkeit durch digitale Inhalte, die Informationsflut wieder überblicken zu können, da eine differenziertere Betrachtung, durch die Anpassbarkeit der Inhalte, ermöglicht wird. Wie könnten solche digitalen Inhalte konkret aussehen? 

Authentische Kreativität - Interaktive Dynamische Lerninhalte

Wir bei Learning Level Up, einem Verlag für digitale Lehr- und Lernmaterialien, stellen uns vor, dass Menschen in Zukunft mit einer neuen Art von kompaktem Inhalt lehren und lernen werden. Wir bezeichnen diesen Inhalt als Interaktiven Dynamischen Lerninhalt, kurz IDL.

Was bedeutet das für das Lehren und Lernen? Interaktiv bedeutet, dass der Nutzer die IDL aktiv steuern kann, indem er den jeweiligen Inhalt mithilfe von Animationen Schritt für Schritt zusammensetzt. Gerade, wenn es um die Vermittlung komplexer Sachverhalte geht, ist eine schrittweise Darbietung von Informationen für das Verständnis sinnvoll, da einer visuellen Überforderung entgegengewirkt werden kann.

Dynamisch bedeutet, dass der Nutzer den Lerninhalt in seiner Struktur verändern kann. Teile des Inhalts können entfernt oder verschoben werden, um Überforderungen zu vermeiden und somit auf individuelle Lernvoraussetzungen und Lernstile zu reagieren.

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Durch den bausteinartigen Aufbau der IDL von Learning Level Up wird das konstruktive Prinzip aufgegriffen und dieses ermöglicht dem Nutzer, die digitalen Lehr- und Lernmaterialien beliebig bearbeiten und kombinieren können. Was ist der konkrete Nutzen dieses Ansatzes? Ist beispielsweise ein Begriff zu schwer verständlich, kann dieser einfach durch einen anderen ausgetauscht werden. Ist ein Element eines IDL gerade für die Erklärung nicht relevant, kann es einfach ausgeblendet werden.

Die digitalen Inhalte können somit den unterschiedlichen Anforderungen und Voraussetzungen der Lernsituation bzw. des Lehrplans (Schule) oder der Modulhandbücher (Universität) angepasst werden. Ebenfalls ist es möglich, auf Grundlage der einzelnen Elemente der IDL, eigene digitale Materialien zu erstellen und diese mit anderen auszutauschen. Der Nutzer erstellt somit seine eigene digitale Lernumgebung.

Wichtig ist aber, dass diese Entscheidung der Nutzer trifft und sonst niemand. Bei Learning Level Up wird man somit in kein starres Schema gepresst, wie bei den aktuell diskutierten digitalen Schulbüchern, sondern kann selbst entscheiden, wie die Inhalte am besten für die Wissensvermittlung bzw. Wissensaneignung genutzt werden sollen.

Fazit - Digital Educational Resources statt Open Educational Resources

Digital Educational Resources ist die Antwort von Learning Level Up auf die aktuelle Open Educational Resources, kurz OER, Diskussion. OER werden von vielen Bildungsexperten mit digitaler Bildung in Verbindung gebracht, wobei sich diese nicht von analogen Medien unterscheiden.

Ein wesentlicher Vorteil digitaler Materialien im Vergleich zu analogen ist, dass sie nicht statisch sind, sondern von jedem verändert werden können. Digitale Lehr- und Lernmaterialien fördern somit die aktive Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt und setzen kreative Möglichkeiten der Gestaltung der individuellen Lernprozesse frei.

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Damit Deutschland künftig nicht nur Nutzer internationaler Content-Anbieter ist, müssen die Lerninhalte für eine moderne Wissensvermittlung, neben der Modernisierung der Schulen mit digitalen Medien und der Einführung verpflichtender Module zur Mediendidaktik im Rahmen des Lehramtstudiums, entwickelt werden, damit die eigentlichen Vorteile des Digitalen auch genutzt werden können.

Der erste Schritt ist endlich die Diskussion, ob digitales Lernen die Lernwirksamkeit erhöht, zu beenden und sie flächendeckend einzusetzen. Die digitale Entwicklung muss in allen Bildungsbereichen vorangetrieben werden. Es muss sichergestellt werden, dass Lernende nicht nur von engagierten Lehrenden profitieren, sondern dass wegen der Chancengleichheit, alle Lernenden digitale Kompetenzen erwerben „dürfen“.


stefan-pietruskyNach meinem Lehramtsstudium (Biologie, Chemie) an der Universität Koblenz-Landau, das ich mit dem Master of Education abgeschlossen habe, war ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umweltwissenschaften beschäftigt.

Zu meinen Aufgabenbereichen gehörte die Entwicklung von Konzepten für digitale Anwendungen, das Verfassen von Publikationen und die Mitwirkung an Vortragsreihen. Aktuell bin ich als Doktorand am Institut für naturwissenschaftliche Bildung in der AG Physikdidaktik der Universität Koblenz-Landau eingeschrieben. Ich forsche zum Thema: Förderung des selbstregulierten Lernens durch das Lernen mit digitalen Medien.

Da ich mich seit 8 Jahren mit dem kreativen Zeichnen und Gestalten von Unterrichtsmaterialien beschäftige und diese Lernenden und Lehrenden zur Verfügung stellen möchte, gründete ich das E-Learning-Portal Learning Level Up.

Veröffentlicht am 28.07.17

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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