Die Schule als lebende Organisation?

Mit Visionen die Zukunft der Schule neu gestalten!

Nichts ist in der heutigen Zeit beständig, mit einer Ausnahme, nämlich der des permanenten Wandels. In unserer heutigen Wissensgesellschaft mit den rasant voranschreitenden Veränderungen im Bereich der sich globalisierenden Märkte und den modernen Kommunikationsmöglichkeiten( Internet / Intranet ), werden den Menschen einerseits Möglichkeiten geboten, an die noch vor Jahren kaum jemand geglaubt hätte. Andererseits stürmt der technische und wirtschaftliche Fortschritt so vehement voran, dass andere Werte dabei auf der Strecke bleiben.

Auch die Schule mit ihren darin arbeitenden Menschen sowie ihren Kunden ( Schüler/innen; Eltern ) bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. Unsicherheit und Orientierungslosigkeit machen sich nicht nur bei Eltern und Schülern breit, was die Zukunfts- / Berufschancen der heranwachsenden Generation anbetrifft, sondern auch bei Schulleitern und Lehrern, was die zukunftsweisende Unterrichtsmethode anbetrifft.

Wie sollen und können die Anforderungen, die von Seiten der Politik und Wirtschaft vehement eingefordert werden, praxisgerecht und effizient umgesetzt werden ? Wird zukünftig der Wettbewerbsgedanke, der bereits an unseren Hochschulen Einzug gehalten hat, auch für Schulen gelten ? Müssen die Schulen ihre Leistungen respektive ihr Leistungsprogramm etwa verkaufen, um im Wettbewerb bestehen zu können – müssen Schulleiter ihre Schule zukünftig als innovatives Dienstleistungsunternehmen im Bereich Bildung und Erziehung darstellen ? Sind die Schulen aufgrund der rasanten Veränderungen auf ihren eigenen Wandel überhaupt vorbereitet ? Und schließlich die wohl entscheidende Frage, was sind die richtigen und zukunftsweisenden Praktiken, um den sich abzeichnenden Veränderungen Rechnung zu tragen ?

In unserer Wirtschaft gibt es derzeit nachfolgende Megatrends zu konstatieren, die für nahezu alle Branchen und Unternehmensgrößen gelten:

  • Internationalisierung / Globalisierung
  • Wissensmanagement
  • Wegfall von einfachen industriellen Arbeitsplätzen
  • Veränderung in der Betriebsorganisation ( Teamarbeit )
  • Dramatischer Umbau in der Arbeitslandschaft ( Häufigere Arbeitsplatzwechsel ).

Diese Veränderungstrends der Wirtschaft bedingen zwangsläufigerweise ein Umdenkungsprozess an unseren Schulen und Hochschulen, haben doch gerade diese Organisationen die Aufgabe, unsere heranwachsende Generation auf ihr späteres Berufsleben optimal vorzubereiten. Bildung ist heute zur lebenslangen Notwendigkeit geworden; Weiterbildung und berufliche Fortbildung sind erforderlich, um auf dem Arbeitsmarkt einerseits bestehen zu können und andererseits um sich für einen Umstieg oder Aufstieg optimal vorzubereiten. Wie aber operieren unsere Bildungsanstalten heute noch immer, in der Erkenntnis eines sich verändernden Anforderungsprofils ihrer Kunden? Im krassen Gegensatz zu den im Kindergarten gemachten Erfahrungen, wo Kinder unterschiedlichen Alters spielerisch und kreativ miteinander umgehen und wo Gemeinsamkeit vor Konkurrenz geht, dreht sich dies mit Eintritt in die Schule geradezu um. Das gemeinsame Miteinander, die natürliche Neugierde an gemeinsamen Projekten ( Basteln, Theaterstücke ) werden ersetzt durch vorgegebene Normen sprich Noten und sind somit stark ergebnisorientiert ausgerichtet. Hier besteht jetzt die Art der Rivalität, wie sie in Wirtschaftsunternehmen und anderen Organisationen in der täglichen Praxis anzutreffen sind. Diese Verhaltensänderung beginnt bereits in der Grundschule, setzt sich fort in den Aufbaustufen ( Realschulen, Gymnasien ) und findet ihren ausgeprägten Abschluß in den Hörsälen der Hochschulen.

Der Kulturschock erfolgt spätestens dann, wenn die angeblich fertigen Menschen ( = Bildung erfolgreich abgeschlossen ) in die Arbeitswelt entlassen werden. Hier erfahren sie dann sehr massiv, dass plötzlich Teamfähigkeit, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und vernetztes Denken von ihnen abverlangt werden. Verhaltensweisen, wie sie noch im Kindergarten praktiziert wurden, die dann aber mit Eintritt in die Schule bis hin zum universitären Abschluß wieder abtrainiert wurden, müssen nun mit Eintritt in das Berufsleben wieder neu trainiert werden.

Effizienter kann man diese Art der Bildungspolitik wohl kaum betreiben !

Wie muss sich Schule zukünftig präsentieren ?
– Die Schule als lebende Organisation –

Nach Arie de Geus ( Jenseits der Ökonomie ) zeichnen sich ( lang ) lebende Organisationen durch nachfolgende Merkmale aus :

  • sie reagieren sensibel auf ihre Umwelt, d.h. sie nehmen Veränderungen jedweder Art auf und sind in der Lage, sich auf jede neue Situation einzustellen
  • sie zeichnen sich aus durch einen festen Zusammenhalt und haben ein ausgeprägtes ” Wir ” Gefühl
  • sie sind tolerant und dulden Experimente und Ideen innerhalb der eigenen Organisation, um daraus ihr Wissen und ihre Möglichkeiten ständig zu erweitern.

Auch die Schule kann als lebende Organisation gesehen werden, besteht sie doch ähnlich wie der Mensch aus Körper ( Schulangehörige ), Geist ( Schulphilosophie ) und Seele ( Schulkultur ). Eine lebende Schule muss sich jedoch als offenes System erweisen, um anpassungsfähig, veränderungsfähig und somit lernfähig zu sein. Demzufolge steht sie in Kontakt mit innerschulisch und außerschulischen Organisationen, um die Veränderungen der Umwelt zu erkennen und diese dann umsetzen zu können.

Eine lebende Schule muss eine Unternehmenskultur praktizieren, die Anpassungen an neue Verhältnisse zulässt und Freiraum für Wandel schafft. Die derzeit anzutreffende Kultur an den Schulen ist geprägt von Normen und Werten, die ihren Ausdruck finden in Weisungen, Vorschriften, Zeugnissen und Gesetzen. Die heutige Schule zeichnet sich besonders aus durch das Unterlassen von Risiken. Eine lebende Schule hat genauso wie das Krankenhaus Abschied zu nehmen von der Vorstellung, daß Ärzte/ Lehrer die Herrgötter in weissen Kitteln / weisen Schuluniformen sind. Die allen beteiligten Partnern ( Lehrerschaft, sonstige Mitarbeiter ) innewohnende Vision muss sein, ” gemeinsam eine bessere Schule zu schaffen “. Dies bedingt hohe Anforderungen an die Schulleitung in persönlicher als auch organisatorischer Hinsicht. Integrität, Offenheit, Kreativiät, Innovationsfähigkeit und strategisches Denken gehören ebenso dazu wie Risikobereitschaft und Konfliktfähigkeit. Die Schulleitung fungiert dabei als Teamleitung und räumt der Teamarbeit der Lehrerschaft einen zentralen Platz ein.

Eine lebende Schule ist an einer fürsorgenden Gemeinschaft ihres gesamten Umfelds interessiert und bezieht diese permanent in den Prozess mit ein. Wie in lebenden Unternehmen müssen auch in lebenden Schulen Fehler gemacht und erlaubt werden, bieten sich doch gerade hier die Möglichkeiten, aus diesen Fehlern zukünftig zu lernen. Weiterhin gilt auch für lebende Schulen, dass sie ohne dauernde Fortbildung nicht mehr auskommen. Weiterbildungsmaßnahmen für lebende Schulen sind in den Feldern Mangement und Kommunikationstraining durchzuführen.

Der äußere Eindruck einer lebenden Schule dokumentiert sich in seinen räumlichen Gestaltungen, den gestalteten Produkten, Gegenständen, die einzelne oder Projektgruppen gemeinsam erarbeitet haben. Räume dienen aber auch der Kommunikation von Menschen und sollten deshalb veränderbar mit mobilen Mobiliar ausgerüstet sein.

Eine lebende Schule ist aus Gründen der Umweltsensibilität an Außenkontakten interessiert und bezieht diese aktiv ins Schulgeschehen mit ein. Gerade aus diesem Grunde ist eine lebende Schule an offener Information sowohl nach innen als auch nach außen interessiert. Neben den Schulangehörigen und Eltern haben auch Behörden und andere Dienststellen sowie die breite Öffentlichkeit ein starkes Informationsbedürfnis. Über die Informationsbereitstellung und der von der Schule formulierten Unternehmens/ Schulphilosophie gestaltet sich der Wahrnehmungs – und Aufmerksamkeitswert einer lebenden Schule.

Welches sind die Hauptaufgaben einer lebenden Schule ?

Wie in jedem Wirtschaftsunternehmen gilt es auch für die lebende Schule nachfolgende Schritte zu institutionalisieren:

  • Formulierung der Schulvision
  • Formulierung, Überprüfung und Anpassung der pädagogischen Grundsätze
  • Vorleben der Teamorientierung
  • Regelung der schulischen Infrastruktur

Mit der Formulierung der Schulvision gilt es, eine für die Schule neue und erstrebenswerte Perspektive zu eröffnen. Die Version sollte gemeinsam im Team erarbeitet werden, denn die nur von einer Person formulierten Vorgaben führen selten zum gewünschten Ergebnis. Die Vision bedeutet aber auch gleichzeitig die Abkehr von den bisher praktizierten Methodiken und enthält im Kern den zu vollziehenden Paradigmawechsel.

Aus der Vision lassen sich die pädagogischen Grundsätze ableiten; sie sind für alle Beteiligten einer lebenden Schule verbindlich und werden von ihnen mitgetragen. Hierbei ist es denkbar, daß die pädagogischen Grundsätze gemeinsam erarbeitet werden bzw. Vorgaben der Schulleitung darstellen. Sie bilden jedoch in einem hohen Maße den Orientierungs – und Beurteilungsmaßstab der Schulleitung.

Zusammen bilden die Vision und die pädagogischen Grundsätze die ” Schulphilosophie “.

Eine lebende Schule muss gut geleitet werden, d.h. die Schulleitung hat sich hohen persönlichen aber auch managementtechnischen Anforderungen zu stellen. Folgende Fähigkeiten sollen hier genannt werden: Offenheit und Loyalität; Delegation; Kreativität und Innovationsfähigkeit; Umweltsensibilität und die daraus resultierende Fähigkeit, Veränderungen herbeizuführen; strategisches Denken und Organisationstalent.

Die in der Schulphilosophie niedergeschriebenen Grundsätzen müssen natürlich auch in der schulischen Infrastruktur Berücksichtigung finden; die besten Grundsätze und Leitlinien nutzen nichts, wenn sie nicht in die Organisationsstruktur eingebettet werden. Die Administration darf zielorientiertes Führen nicht verhindern. So sollten alle administrativen Arbeiten nicht nur schnell sondern auch sorgfältig, effizient und engagiert abgearbeitet werden. So erhält die Aufbau – und Ablauforganisation einer Schule ebenso wie das Projektmanagement einen zentralen Stellenwert.

Damit einhergehend ist die Art und Weise der Informationsbereitstellung und deren Weitergabe an alle Beteiligten von immenser Wichtigkeit; Informationszurückhaltung kann auch als ” Machtinstrumentarium ” mißbraucht werden, führt jedoch in den meisten Fällen zu Vertrauensverlust und somit zum Scheitern des gemeinsam erklärten Projekts. Zur weiteren und intensiveren Förderung der Teamfähigkeit müssen regelmäßige Teamsitzungen und die hierfür erforderlichen Räumlichkeiten geschaffen werden.

Dass Schule nicht nur aus Arbeit sondern auch aus Vergnügen und Spass bestehen kann, lässt sich auch bei einer lebenden Schule an der Planung und Durchführung von Schulfeiern – und festen festmachen. Diese fördern nicht nur den inneren Zusammenhalt, deren Aussenwirkung für die Öffentlichkeit sollte hierbei nicht unterschätzt werden.

Die Schulleitung einer lebenden Schule nimmt sich viel Zeit für ihre Mitarbeiter und Kunden. Dies setzt natürlich voraus, daß sie die Methodik des Zeitmanagements für andere Dinge betreibt und beherrscht. Größere und längerdauernde Projekte müssen rechtzeitig budgetiert und frühzeitig vorbereitet werden. Der Schlüssel des Erfolgs liegt in dem Rezept, den anvertrauten Teammitgliedern jederzeit das Gefühl zu vermitteln, dass sie wichtig sind und dass sie gebraucht werden.

Die Schulleitung einer lebenden Schule muss für alle sichtbar sein, sie wandert herum und verkriecht sich nicht in dem ” Schulleitungs-Elfenbeinturm “. Da sie Vorbildfunktion hat, muss sie die einmal festgeschriebene Schulphilosophie Tag für Tag aktiv leben. Dies bedingt natürlich eine hohe Selbstdisziplin, hohe Toleranz und eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, gepaart mit der Fähigkeit, wenn erforderlich, selbst Hand mit anzulegen. Gleichzeitig muss sie auch die Kunst des Motivierens beherrschen, d.h. besondere Leistungen müssen auch entsprechend gewürdigt werden.

Wenn dieser Quantensprung gelingt, kann aus einer Vision ein ” lebendiger Schulalltag ” erwachsen, der allen Beteiligten ( Lehrerschaft, Schülern, Eltern ) zu überdurchschnittlichen Leistungen verhilft.

Für weitere Auskünfte stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung

BEO.M Unternehmensberatung
Am Haus Bey 12
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