Digitales Lernen im Unterricht – was Schüler erwarten

DSC0E4247Auch Schulen stellt die Digitalisierung vor neue Herausforderungen. Während die Debatte über den Einsatz digitaler Medien an deutschen Schulen intensiv geführt wird, ist keine Gruppe so stark von diesem Wandel betroffen wie die Lehrkräfte und die Lernenden selbst. Lehrkräfte haben dazu bei uns bereits einige Statements sowie ihre persönlichen Erfahrungen abgegeben. Jetzt möchten wir Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen lassen, wie sehen sie diese Entwicklung und was wünschen sie sich?

Heute spricht wissensschule mit  Jette Nietzard, Vorstand der Landesschüler*innenvertretung NRW

 

Nichts wird an unseren Schulen derzeit so heiß diskutiert wie digitales Lernen. Wie sieht dazu an Deiner Schule gelebter Alltag aus?

Leider sieht es mit dem digitalen Lernen an meiner Schule noch nicht so gut aus. Ein alter Fernseher, der dicker ist als alle meine Bücher zusammen, wird manchmal eingesetzt und in jedem Klassenraum steht ein Overheadprojektor. Ob der noch klappt, ist aber Glückssache. Wir haben zwar 3 neue Whiteboards für Fachräume bekommen, sonst sieht alles bei uns aber seeehr alt aus. 

Was sind aus Deiner Sicht die größten Herausforderungen, damit digitales Lernen erfolgreich umgesetzt werden kann?

Es müssen Fortbildungen für Lehrkräfte angeboten werden, da viele gar nicht mehr mit der wirklich modernen Technik klarkommen. Außerdem muss dafür Sorge getragen werden, dass die Schüler keine Geräte selber und auf eigene Kosten anschaffen müssen. Bei Tabletklassen müssten die Geräte von der Schule gestellt werden, da manche Kinder sich das sonst einfach nicht leisten können. Und das wäre ja unfair.

Wann findest Du den Einsatz von digitalen Medien im Schulunterricht gut und sinnvoll und wann nicht? 

Ich persönlich finde es wichtig, dass im Schulunterricht nicht nur digitale Medien genutzt werden. Schüler*innen müssen trotzdem schreiben lernen und sollen auch ein echtes Buch kennen und damit arbeiten können. Auch sollten weiter Ausflüge gemacht werden, nur weil man Fotos im Internet sehen kann, ersetzt diese Art des Lernens kein eigenständiges sehen und erleben.

Sinnvoll finde ich digitale Medien immer dann, wenn sie Unterricht anschaulicher und praxisnäher machen. Die Lehrkraft also ein Video oder eine Zeichnung zeigen kann, Schüler Referate präsentieren können ohne ein nerviges Plakat zu halten und all das. Wir müssen uns aber auch fragen, wann Digitalisierung zu weit geht. Soll es irgendwann Roboter als Lehrer geben? Wollen wir vielleicht Unterricht von Zuhause, per Videochat? Wollen wir wirklich, dass Lehrer konkret überwachen können, ob wir Hausaufgaben um 3 Uhr nachts, direkt nach der Schule oder am morgen vorher machen? Ich habe die Angst, dass die digitalen Medien irgendwann Privatsphäre klauen und es für Schüler*innen schwerer wird, sozial zu interagieren. Mit jeder Interaktion, egal ob mit einer Lehrkraft oder Mitschüler*in erlernen wir soziale Kompetenzen, die unabdingbar sind.

Schülerinnen und Schüler sollen lernen, selbstbestimmt mit digitalen Systemen umzugehen. Laut Bitkom begrüßen 75% der Schüler ein Pflichtfach Informatik. Was hältst Du  von der Einführung eines Pflichtfachs Informatik?

Ich halte Pflichtfächer generell nicht für sinnvoll, egal, ob es da um Informatik oder Deutsch geht. Jede*r Schüler*in sollte seine*ihre Fähigkeiten und Interessen nach wählen, nicht nach Vorgaben.

Würde Informatik zum Pflichtfach werden, hieße das ja, dass es mehr „wert“ ist als andere Fächer und diese Überzeugung teile ich nicht. Trotzdem sollte es unbedingt ein Fach bleiben, dass zur Wahl steht. 

Die technische Entwicklung geschieht im Moment rasend schnell. Wie stellst Du Dir Schule und vor allem die Aufgabe von Lehrenden in zehn Jahren vor?

Ich hoffe, dass die Lehrenden in 10 Jahren gar keine so große Rolle mehr in der Schule spielen, sondern nur noch als Mentori*nnen agieren. Ich wünsche mir, dass Schüler*innen ein viel größerer Freiraum gegeben wird, wie, wann, und wo sie lernen möchten. Weiter wünsche ich mir, dass alle Schüler*innen zusammen lernen, unabhängig von Noten, Alter oder individuellen Fähigkeiten.

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