Schreinerin — mein Erfahrungsbericht

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
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Der Beruf der Tischlerin umfasst eine dreijährige praktische Ausbildung. Es besteht die Möglichkeit die Ausbildung auf 2,5 Jahre zu verkürzen. In Düsseldorf hat man die Möglichkeit als Auszubildende(r) mit Abitur ein anderes Klassensystem zu besuchen, man sitzt nur mit Abiturienten und Fachabiturienten in einer Klasse. Hier hat man die Möglichkeit eine Zusatzqualifikation zu erwerben, den kaufmännischen Teil der Meisterprüfung-Betriebsassistent im Handwerk. Der Anteil an Auszubildenden mit Abitur ist verhältnismäßig gering, so ist die Klasse wesentlich kleiner, was ein angenehmeres Lernen verursacht. Heute wird allerdings auch oft ein Abitur oder zumindest Fachabitur vorausgesetzt. Mit zu der Ausbildung gehört neben der Berufsschule (ca. 12 Wochen im Jahr als Blockunterricht) auch der überbetriebliche Lehrgang in der Handwerkskammer Düsseldorf. Hier erwirbt man seine Maschinenscheine und besucht die Grundlehrgänge, außerdem wird man hier ausreichend auf die Prüfungen vorbereitet, was in manchen Betrieben vielleicht zu kurz kommt, so auch in meinem. In meinem ersten Lehrjahr wurde ich viel mit auf Montage geschickt, um den Meistern und Gesellen zur Hand zu gehen, aber auch kleinere Arbeiten wie das Schleifen vor dem Lackieren oder den groben Zuschnitt an der Plattensäge gehörten zu meinen Aufgaben. Der Alltag war nie langweilig, da die Aufträge oft sehr abwechslungsreich waren. Aber auch Großbaustellen, die oft mehrere Wochen dauerten, hatten ihren Reiz. Man konnte über mehrere Wochen einen Entwicklungsprozess erkennen und einen Überblick darüber bekommen, welche Gewerke oft Hand-in-Hand arbeiten müssen. Auf solchen Baustellen, war ich als Praktikantin/Azubi für den „Feinschliff“ zuständig. Einstellen der Türen, montieren der Schubkastenfronten, montieren der Einlegeböden und natürlich auch das Reinigen der Schränke und Regale. Man war natürlich auch oft nur der Handlanger eines Gesellen oder Meisters, oft ist man nur mit auf die Baustelle gefahren um beim Tragen zu helfen oder einfach nur sauber zu machen, aber auch das gehört dazu. Im Laufe der Zeit wurden mir immer schwerere und somit auch tollere Arbeiten zugeteilt, so hat es mir zum Beispiel einen riesen Spaß gemacht zu lackieren und das zeigte sich auch in meiner Arbeit, so dass ich immer öfter, auch Kundenaufträge lackieren durfte. Vom Zuschneiden bis zum Endlack. Berufsschule war für mich immer Urlaub, meist zwei Wochen am Stück von 8-15 Uhr. Neben der Arbeit bleibt einem oft nicht viel Zeit für Freizeit, meine Arbeitszeiten(Mo-Do 7-16.30h, Fr 7-12.15h) ließen das oft nicht zu, zumal auch oft Überstunden gemacht werden mussten, vor allem am Freitag. So hatte man in den Schulblöcken Zeit sich mit Freunden zu treffen etc. Außerdem habe ich viele tolle, neue Leute kennengelernt, die ich heute zu meinen Freunden zähle. Der Unterricht in der Berufsschule war immer sehr spannend und mein Klassenlehrer Hr. Schmitz wusste uns zu unterhalten und war immer mit vollem Elan dabei. Der Unterricht umfasste viele Themenbereiche. Was ist Holz? Was gibt es für Holzarten?! Wie baue ich einen Schrank?! Und vieles mehr….All das was man im Betrieb lernt und macht wird einem nochmal theoretisch erklärt. Durch den Betriebsassistenten, hatten wir weniger Zeit für die grundlegenden Fächer, somit hatten wir kein Sport oder Religion, sondern zusätzlich Wirtschaftsenglisch, Rechnungswesen und Betriebswirtschaftslehre. Alles in allem würde ich diese Ausbildung jederzeit wieder machen, es hat mir sehr viel Spaß gemacht auch wenn ich als Frau oft an meine Grenzen gestoßen bin. Ich hatte drei tolle Jahre auch wenn nicht alles immer so rund lief. Man muss sich einfach darüber im Klaren sein, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und man deshalb auch erstmal klein anfangen muss, aber das ist auch gut so. Ich als Frau würde jedem Mädchen sagen: Werdet Tischler, es ist ein wundervoller Beruf und schon lange nicht mehr von der Männerwelt dominiert. Ich studiere jetzt Architektur und die Ausbildung bildet eine tolle Grundlage.

Ihr habt Fragen? Meldet Euch bei der Autorin: kriseidler@gmail.com

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