Fünf Thesen zum Fokusthema »Digitale Mündigkeit« von Julia André

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Die digitale Welt selbst mitgestalten können: Fünf Thesen zum Fokusthema »Digitale Mündigkeit« von Julia André (Körber Stiftung)

Fünf Thesen zum Fokusthema »Digitale Mündigkeit« von Julia André Für Lehrende Klassenraum & Schule Schule_digital
Foto: Körber-Stiftung/Jann Wilken

Erstens | Digitale Mündigkeit bedeutet, digitale Medien nicht nur anwenden zu können, sondern sie auch in ihrer technischen Funktionsweise sowie ihrer sozialen und ethischen Dimension zu verstehen. Computer, Tablets und Smartphones sind fester Bestandteil unseres Alltags. Wir alle benutzen digitale Medien, wissen in der Regel aber nur wenig darüber, was hinter der Benutzeroberfläche passiert. Dabei wird unsere physische und soziale Umwelt zunehmend von Programmcodes gesteuert. Wer sich sicher und selbstbestimmt – kurz: mündig – in dieser zunehmend vernetzten digitalen Welt bewegen will, sollte digitale Geräte nicht nur benutzen, sondern auch in ihrer grundlegenden technischen Funktionsweise sowie ihrer sozialen und ethischen Dimension verstehen können.

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Fünf Thesen zum Fokusthema »Digitale Mündigkeit« von Julia André Für Lehrende Klassenraum & Schule Schule_digital

Zweitens | Das eigenständige Ausprobieren, das kreative Selbermachen sind der beste Weg zu mehr digitaler Mündigkeit. Der Königsweg zu diesem tieferen Verständnis und einem mündigen Umgang liegt nicht in der theoretischen Belehrung, sondern in der eigenständigen, kreativen Auseinandersetzung mit digitalen Medien. Wer Apps nicht nur herunterlädt, sondern schon einmal probiert hat, eine eigene Anwendung zu entwickeln; wer Computerspiele nicht nur spielt, sondern selbst schon mal eines programmiert hat; wer im Internet nicht nur surft, sondern schon einmal eine eigene Webseite gebaut hat, wird auch als Nutzer bzw. Nutzerin kompetenter und kritischer urteilen können. Und erlebt außerdem, dass Programmieren Spaß macht und nicht nur mit Technik, sondern genauso mit Kreativität und Teamwork zu tun hat.

Drittens | Der Umgang mit digitalen Tools ist in fast allen Lebens-und Arbeitsbereichen unabdingbar. Programmierkenntnisse sind keine Voraussetzung, aber ein mächtiges Instrument für Zukunftsgestaltung. Berufliche Chancen, wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten hängen zunehmend von unseren digitalen Kompetenzen ab. Egal, ob wir eine Ausbildung machen, eine Geschäftsidee entwickeln, ein Forschungsprojekt durchführen oder eine Bürgerinitiative starten wollen –der souveräne Umgang mit digitalen Tools ist mittlerweile in allen Lebensbereichen unabdingbar. Wir müssen sicher nicht alle programmieren lernen. Aber umgekehrt gilt: Wer programmieren kann, hat ein mächtiges Werkzeug in der Hand, um die Welt von morgen mitzugestalten.

Viertens | Der digitale Wandel wartet nicht auf die Schule. Außerschulische Bildungsangebote können Impulsgeber und Experimentierlabor für die Vermittlung digitaler Kompetenzen sein. Unser Bildungssystem ist für die Herausforderungen, die mit dem digitalen Wandel einhergehen, noch nicht gerüstet. Der systematische Einsatz digitaler Medien und die umfassende Vermittlung digitaler Kompetenzen sind an deutschen Schulen bislang eher Ausnahme als Regel und es ist absehbar, dass sich daran nur sehr langsam etwas ändert. Die Kooperation mit außerschulischen Initiativen und Partnern kann die notwendigen Reformen nicht ersetzen. Sie kann aber sehr wohl neue didaktische Ansätze, technisches Know-how und Praxisnähe in den Unterricht bringen und damit wichtige Impulse für die dringend erforderliche Schulentwicklung setzen.

Fünftens | Hamburg will Vorreiter auf dem Weg zur »Digitalen Stadt« sein. Dieser Anspruch wird nicht ohne eine großangelegte Bildungs-und Qualifizierungsoffensive einzulösen sein. Nicht nur die Bildungseinrichtungen sind in der Pflicht, die digitale Alphabetisierung in Deutschland voranzubringen. Dazu braucht es vielmehr ein breites gesellschaftliches Bündnis, in dem die Akteure aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Zivilgesellschaft ihren Teil beitragen. Das gilt auch und ganz besonders für Hamburg, das für sich beansprucht „Digitale Stadt“ zu sein. In der politischen Agenda dazu fehlt bislang allerdings – gerade für den Bereich Bildung und Qualifizierung –eine systematische, zukunftsweisende Strategie, die sowohl eine solide digitale Grundbildung für alle als auch die Versorgung mit den dringend benötigten Fachkräften sicherstellen würde.

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