Gezwitscher im Schulalltag

Die Person des Lehrers als Suchender, als jemand, der immer wieder neue Dinge ausprobiert, um seinen Unterricht weiterzuentwickeln und seine Schüler neu zu begeistern – kennen Sie so jemanden?

Abseits von Klischees und dumpfer Monokausalität gibt es ihn nämlich viel häufiger, als sich das ein schulferner  vorstellen könnte: Den motivierten Pädagogen, der fortwährend nach dem heiligen Gral der didaktischen Ultima Ratio sucht und mit seinem Unterricht nie zufrieden ist.

Aber in den Zeiten der viel zu oft als Buzzword missbrauchten “Digitalisierung” ist alles anders – volatiler, unsicherer, komplexer, ambivalenter… oder eben auch nicht!

Aber der Reihe nach: Es ist korrekt, wenn Experten konstatieren, dass der technische Fortschritt und – dadurch ermöglicht – die digitale Transformation unseren Alltag nicht zuletzt im schulischen Umfeld in einer Geschwindigkeit und mit einer Dynamik verändern. Innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit (20 Jahre) etablierte sich ein neues Leitmedium, vollzog sich der Wechsel von der Buchdruck- zur Informationsgesellschaft, in der Wissen ständig und überall verfügbar ist. Als eine der gravierendsten Konsequenzen ergab sich für das Handlungsfeld Schule die Notwendigkeit, auf diese Entwicklungen adäquat zu reagieren. In vergleichsweise kurzer Zeit zeigte sich: Bestehende Strukturen wie zentral oder regional angebotene Fortbildungsangebote, die sich zum Teil über Tage erstreckten und des Öfteren nur für eine bestimmte Schulart angeboten wurden, können nur bedingt die Anforderungen der aktuellen Entwicklungen genügen. Schneller, agiler, verfügbarer, leichter zu bedienen und am besten per Smartphone bedienbar sollte das neue Angebot sein. Und einmal mehr lag die Lösung direkt auf dem eigenen Handy:

Bekannte, nicht zwingend für ihre Innvoationsbereitschaft berühmte Persönlichkeiten wie ein US-Präsident und viele weitere bedienten sich zum Austausch von Informationen des Angebots der SocialMedia-Plattform Twitter. Dementsprechend “verrufen” ist das Medium in bestimmten, gar nicht so unwichtigen Kreisen. Dazu gesellt sich das Problem, dass sich Twitter im Laufe der Zeit nicht zuletzt durch seine extrem starke Dynamik, die einfache Zugänglichkeit und die sehr hohe Reichweite als das ideale Medium für Zuspitzungen, radikale Standpunkte und  “Shitstorms” entwickelte.

Doch bei all diesen Problemen zeigten sich bei – zunächst – einigen wenigen, dann aber bei einer rasant wachsenden Zahl von Mitgliedern der Bildungsfamilie die Chancen, die vor dem zuvor geschilderten Hintergrund die großen Möglichkeiten sah, die Twitter bieten kann: Eben genau – Sie ahnen es – jene extrem starke Dynamik, die einfache Zugänglichkeit und die hohe Reichweite.

So etablierten sich unter Hashtags wie #Twitterlehrerzimmer, #Edupnx oder #BayernEdu ganze Ideenbörsen, schier unerschöpfliche Fundgruben für neue Ideen, Praxisberichte und Anlaufstellen für Hilfe.

Der Tweet bringt es auf den Punkt. Es gibt beinahe keine Fragestellung im Bildungsbereich, auf die ein Suchender nicht innerhalb kürzester Zeit unter dem richtigen Hashtag eine helfende Antwort erhalten würde. Welche Fortbildung klassischer Art könnte das von sich behaupten? Die Community, die sich hier innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit herausgebildet hat, sucht ihresgleichen und besticht durch eine Kollegialität, die der gemeinsamen Sache mit höchster Effektivität dient und so nicht nur im besten, sondern sogar im Normalfall zu einer höheren Unterrichtsqualität führt. Darum nochmals der Appell an alle Lehrkräfte und Interessierten: Entdecken Sie Twitter als Unterstützungs- und Fortbildungsangebot! Sie werden begeistert sein! Oder – wie es ein geschätzter Kollege getwittert hat:


Michael Graf, seit 2014 Realschuldirektor an der Staatlichen Realschule Schöllnach, Niederbayern
Fächer Mathematik, Kath. Religion, Informatik
zertifizierter CCNA und MCP
seit 2017 im Schulversuch “Digitale Schule 2020” der Stiftung Bildungspakt Bayern

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