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Hat die Kreidetafel ausgedient?

3. Februar 2017

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Nutzung digitaler Medien im Unterricht aus der Sicht eines Lehrers

Zuhause bereite ich meinen Unterricht auf dem Notebook vor und stehe dann in der Klasse vor der Kreidetafel. Wie bekomme ich nun meine schon vorhandenen Inhalte (Texte, Bilder, …) auf die Kreidetafel, damit sie von allen Schülern gelesen und genutzt werden können? Ich muss die Texte ein zweites Mal schreiben - und zwar per Hand. Das kostet Zeit und die Schüler langweilen sich. Ist das der vielzitierte „Mehrwert“ der Kreidetafel?!

Schwieriger wird es, wenn ich die Mona Lisa, die ich perfekt auf meinem Bildschirm sehe, nun auf die Kreidetafel bekommen will. Nachmalen?! Was ist mit dem kurzen Video? So schnell kann ich nicht die einzelnen Bilder zeichnen …

Die beschränkten Möglichkeiten der Kreidetafel sind schnell erkannt. Weshalb wird sie dann immer noch genutzt?

Die klassische Kreidetafel erfüllt zwei Zwecke:

  • Sie wird von Schülern und Lehrer „bedient“, es werden z.B. Unterrichtsergebisse protokolliert (Text, Zeichnung). Die Kreidetafel visualisiert also einen gemeinsam vereinbarten Stand der Dokumentation von Unterricht.
  • Außerdem werden evtl. größere Papiere angebracht (Klebestreifen, Magnete). Die Kreidetafel wird hierbei nur als höhenverstellbare Präsentationsfläche genutzt.

Die Kreidetafel hat ihre eigenen positiven Möglichkeiten: Sie ist direkt nutzbar – falls Kreide und Schwamm verfügbar sind. Man muss sich nicht in das „Betriebssystem“ einarbeiten. Sie muss nicht „ausgeschaltet“ werden, wenn man den Raum verlässt. Man kann auf ihr Informationen hinterlassen.

Diese Eigenschaften stehen im Vordergrund, wenn über eine Abschaffung der Kreidetafel nachgedacht wird. „Die digitalen Medien sind doch einfach nicht zuverlässig nutzbar!“

Die vielen Nachteile der Kreidetafel werden dabei komplett ausgeblendet:

  • Spätestens wenn sie komplett beschrieben wurde, wird anschließend der Inhalt unwiederbringlich gelöscht!
  • Man kann in der folgenden Woche nicht das Tafelbild ergänzen, es ist weg!
  • Es muss Handschrift verwendet werden. Die Lesbarkeit ist immer problematisch.
  • Ohne Kreide kein Tafelbild.
  • Es kann nicht gezoomt werden. Die hinten sitzenden Schüler können Details evtl. nicht sehen. Ein DIN A4 „großer“ Ausdruck einer Landkarte wird aus 6 m Entfernung nicht mehr zu entschlüsseln sein.
  • Videos lassen sich nicht darauf abspielen! Im Gegenteil, man versucht sie so gut es geht herunter zu schieben. Sie macht Platz für andere Medien.
  • Diagramme sind nur sehr zeitaufwändig zu erstellen.
  • Angeschriebene und gezeichnete Inhalte lassen sich nicht mal eben auf der Fläche verschieben.
  • Das Kopieren von bereits angebrachten Informationen (Tabelle, Diagramm, langer Text …) ist extrem zeitaufwändig.
  • Als Präsentationsmedium für Gruppenarbeitsergebnisse versagt sie komplett. Die bereits auf dem Collegeblock vorliegenden Ergebnisse müssen noch einmal an die Tafel geschrieben werden. Auch das ist reine Zeitverschwendung.

Es geht auch nicht darum einen digitalen Ersatz für die Kreidetafel zu finden. Eine parallel nutzbare digitale Alternative wäre die Wunschvorstellung.

Hierfür bieten sich zwei Lösungswege an, die sich gegenseitig nicht ausschließen.

Der eine Weg besteht aus einem fest installierten Beamer oder großen Bildschirm. Angesteuert er wird über ein privates Gerät oder einen fest installierten PC. Dies ist eine übliche Alternative zur Kreidetafel.

Da Schüler aber fast zu 100% mit Smartphones ausgestattet sind, sollte man sie als zweite Möglichkeit in Betracht ziehen. Die Smartphones könnten als Ausgabegerät den Beamer ersetzen. Als Lehrer kann ich meinen Notebook-Bildschirm auf die Displays der Smartphones senden, live und in Farbe. Die Schüler können Details zoomen und auch individuelle Ausschnitte betrachten. Der Schüler kann aber auch deutlich aktiver mit seinem Smartphone arbeiten. Er kann eigene Inhalte auf eine gemeinsame virtuelle Tafel setzen, die wiederum live und in Farbe von allen Mitschülern (und mir) selektiv gelesen werden kann und auf die eben auch wieder reagiert werden kann (Kommentare, Korrekturen, Ergänzungen …). Diese Form der Mitarbeit geht auch über die Nutzung von Smartboards hinaus, man benötigt nur noch ein funktionierendes WLAN mit Internetzugang - so könnte man auch außerhalb des Klassenraums im sommerlichen Schatten auf der gemeinsamen virtuellen Tafel arbeiten.

Die Kreidetafel bietet mit ihrer direkten und intuitiven Nutzbarkeit ein besonderes Merkmal, was man im Unterricht sicher nicht vermissen möchte. Eine digitale Alternative hierzu ist aber absolut nötig. Das Abschreiben von Texten stammt aus der Zeit vor dem Buchdruck. Nicht nur farbige Abbildungen, Videos und Töne bieten einen „Mehrwert“ digitaler Medien, sondern auch die besonderen Möglichkeiten bestimmter Apps (z.B. Mind Maps) und die kollaborative Nutzung.


selfÜber den Autor | Axel Mugge-Dinn arbeitet an der Gesamtschule Hardt in Mönchengladbach und unterrichtet dort die Fächer Kunst, Sozialwissenschaften und Informatik. Er konzipiert, installiert und wartet dort als Admin alle Bereiche des Netzwerks und der „neuen Medien“. In seinem Blog https://dmiublog.wordpress.com beschäftigt er sich mit der Frage, wie die Smartphones der Schüler als Arbeitsmittel im Unterricht sinnvoll genutzt werden können und welche Voraussetzungen hierfür erfüllt sein müssen.

Veröffentlicht am 3. Februar 2017

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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