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„Mehr Mut zum Experimentieren — warum an unseren Schulen mehr unterlassen als gewagt wird!“

29. August 2016

HerrFunkOb das so ist und warum das so ist, darüber sprachen wir mit Sebastian Funk,  Leiter der Science Show AG am Gymnasium Stift Keppel.

 


 

 

Seit nunmehr über 4 Jahren gibt es die Science Show AG am Gymnasium Stift Keppel und hat dort ihren festen Platz. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Eigentlich durch eine kritische Aussage eines Schülers. Dieser fand zwar den Physikunterricht ganz ok, aber im Fernsehen sei das immer viel spektakulärer. Da würde auch was in die Luft fliegen und überhaupt sei das ja dann viel besser. Nun, es stellte sich heraus, dass es zwar spektakulärer war, was im TV-Programm lief, aber wirklich gut erklärt war es nicht.

In den darauf folgenden Sommerferien keimte dann die Idee auf, eine AG zu gründen, die eben genau das schafft. Spektakuläre Experimente von Schülern präsentiert und erklärt. Ein Kollege und ich haben die Idee dann auf einem Schulfest getestet, damals standen wir noch selbst auf der Bühne. Uns wurde aber sehr schnell klar, dass es besser ist, wenn Schüler von Schüler lernen. So war die Science Show AG geboren, eine naturwissenschaftliche AG für Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen.

 

Altersübergreifend lernen hier Schüler die Welt der Naturwissenschaften kennen. Wodurch zeichnet sich diese Form des Experimentierens aus und was macht es mit den Schülern?

Ich denke, das besondere ist, dass wir in der AG auch mal Experimente wagen, die im normalen Unterricht keinen Platz haben. Ein Beispiel: Im Unterricht lernt man das Gesetz Druck ist Kraft pro Fläche in einem kleinen Versuch mit einem Kolben kennen, dazu dann die Formel. In der Science Show AG wird ein mit 3000 Nägeln bestücktes Brett gefertigt, auf das man sich entspannt hinlegen kann. Hier wird die Physik greifbar, verständlich, hat einen gewissen Reiz der Gefahr und macht Spaß. Es ist genau das, was man dann auch bei den Schülern spürt. Eine Schülerin fing in der 6. Klasse in der AG an, sie ist mittlerweile in der Oberstufe angekommen. Anfangs hatte sie Angst vor den Experimenten, traute sich nicht wirklich vor vielen Menschen auf der Bühne zu stehen. Ein klassisches Klischee von „Mädchen und Technik, das passt nicht“. Aber durch unsere Arbeit in der AG, dem Abbau von Ängsten, dem Gewinn an Wissen und Respekt vor einem Experiment, ist sie nun nicht nur ein wahres Showtalent, sie hat sogar einen naturwissenschaftlichen Leistungskurs belegt. Übrigens, interessanterweise sind es besonders die Mädchen, die in der Science Show AG begeistert mitmachen. Das liegt gewiss nicht am Lehrer, sondern an der Atmosphäre.

 

Science Show AG Auftritt

 

Was glauben Sie sind die Gründe, warum an unseren Schulen so wenig experimentiert wird und müssen wir da nicht noch "eine Schüppe drauflegen"?

Natürlich möchte jeder Lehrer und jede Lehrerin in den Naturwissenschaften sinnvolle und schöne Experimente zeigen. Das ist schließlich einer der Gründe, warum man das harte Studium gemeistert hat. Aber was oft fehlt, ist die Zeit. Man kann ein Experiment nicht mal eben in einer fünfminütigen Pause aufbauen. Am Ende sitzt man entweder in einer Frei- oder Überstunde noch im Labor, oder opfert am Wochenende Zeit. Das geht nun einmal nur bedingt. Ich glaube, es gibt zwei Stellschrauben, an denen gedreht werden muss. Die eine ist die Zeitschraube. Bekommt der Lehrer mehr Zeit zur Vorbereitung, kann er einen experimentierfreudigeren Unterricht zeigen. Die andere Schraube ist die Motivation. Im Studium sieht man nicht immer tolle Experimente, die zum Nachmachen einladen. Lehrer brauchen also auch mal einen Ideenlieferant. Es gibt zwar einige Bücher, aber die sind oft zu trivial oder einfach nicht für den Unterricht konzipiert. Nach Auftritten der Science Show AG ist es mittlerweile eine gute Sitte geworden, dass ich Tipps und Tricks an Lehrerinnen und Lehrer aus dem Publikum weitergebe. Das reicht meistens zeitlich auch nicht, aber immerhin tauscht man Emailadressen aus.

Ich kann nur sagen: Wer ein Experiment wagt, der gewinnt – und zwar die Schülerinnen und Schüler. 

 

Wünschen Sie sich hier eine stärkere Unterstützung durch die Wirtschaft bzw. ortsansässige Unternehmen, die mit Geld- bzw. Sachmitteln den Experimentierunterricht sponsern?

Jaein. Ja, weil eine Kooperation zwischen Schule und Wirtschaft durch ein Experiment oder eine Idee eine tolle Möglichkeit für die Schülerinnen und Schüler ist den Arbeitsmarkt kennenzulernen. Nein, weil Schule immer noch Sache der Gesellschaft ist – also der Regierung. Wenn ich Dichter und Denker haben will, muss ich auch investieren. Da helfen keine Wettbewerbe oder Preise, sondern schließlich nur gut ausgestattete Lehrerinnen und Lehrer. Andererseits, wenn Unternehmen bessere Auszubildende haben möchten, dann sollten diese auch ein offenes Ohr für die Schulen haben. Ich bin immer glücklich, wenn ich einen Sponsor aus der Industrie finde. Weniger wegen Geld, sondern wegen Know-how und Sachspenden. Drehbank und Schweißgerät finde ich nämlich immer noch nicht in meiner Physiksammlung.

 

Rückblickend betrachtet, was war bisher Ihr größter Experimentiererfolg und stimmt die Aussage „Versuch macht klug“?

Es gibt tatsächlich ein Experiment, auf das ich sehr stolz bin. Jetzt könnte ich sagen, dass es sich dabei um ein spannendes Chemieexperiment mit Säuren und Laugen handelt, bei dem die exakte Mischung erst zum farbenfrohen Erfolg führt. Aber das ist es nicht, ich bin immer wieder stolz auf meine Schülerinnen und Schüler der Science Show AG. Eigentlich ist das nämlich mein größtes Experiment. Ich habe nämlich einen Weg gefunden, wie das Vermitteln von Lehrinhalten mit spannenden Experimenten, Sprach- und Medienkompetenzen funktioniert. Und wann immer ein Science Show AG Schüler einen naturwissenschaftlichen Weg im Abitur, Studium oder Beruf wählt, habe ich ein breites Lächeln auf den Lippen.

Veröffentlicht am 29. August 2016

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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