Mykorrhiza – Das Obermenzinger Gymnasium macht Zukunft!

Projekt Mykorrhiza

Schule ist getaktet: Jahrgangsstufen, Stundenpläne, Klassen, Fächer, Lehrpläne. Ob Schüler, ob Lehrer – jeder weiß, wann, wo, wer, was zu tun hat. Jeder kennt die Ziele des Lehrens und Lernens: Schulaufgaben, Versetzung, Abitur.
Schule ist chaotisch: Besuche, Praktika, Projekte, Reisen, Feste und auch Krankheiten, Unfälle, Lehrer- und Schülerwechsel. Weder Schüler noch Lehrer wissen am Morgen eines jeden Schultages, was ihn erwartet.

Das Projekt Mykorrhiza begann kurz vor Weihnachten 2009 unscheinbar und harmlos. Im Verlaufe des weiteren Schuljahres wurde es immer raumgreifender und  hat schließlich  Planungen und Unterrichtsstunden kräftig durcheinander gewirbelt. Unmittelbar betroffen war die projektdurchführende Klasse 8a, jedoch mussten viele Lehrerkollegen, Eltern und Außenstehende den Sog des Projektes tolerieren.

Dr. Carsten Witt beabsichtigte im Rahmen seines Mathematik- und Physikunterrichtes, mit der Klasse 10b an einem mathematisch/ physikalischen Wettbewerb teilzunehmen, wie sie von verschiedenen Institutionen ausgeschrieben werden. Bei der Recherche stellte sich heraus, dass die Anmeldefristen geeigneter Anbieter verstrichen waren. Ulrich Besirske fand jedoch kurz vor den Weihnachtsferien heraus, dass der 14. FOCUS Schülerwettbewerb mit dem Motto „Schule macht Zukunft“  für eine Anmeldung bis zum 31.12.2009 offen sei. Ohne ein Projektthema zu haben, hat sich Carsten Witt unter dem neutralen Teamnamen „Obermenzinger“ zur Fristwahrung „blind“ angemeldet – wohl wissend, dass spätestens am 31. Januar 2010 die erste Stufe des Projektes eingereicht werden musste. Die erwarteten Projektthemen schlossen das Fach Mathematik aus und auch die Physik bereitete für ein Schulprojekt ziemliches Kopfzerbrechen. Der Zufall kam dann gerade noch rechtzeitig zu Hilfe. Anfang Januar hatte Carsten Witt bei dem Bauträgerunternehmen ECORA GmbH in Augsburg einen Termin. Während des Mittagessens erzählte der Geschäftsführer von seinen jüngsten Aktivitäten, der Herstellung und dem internationalen Vertrieb von Mykorrhiza.  Bei diesem ungewöhnlichen Wort sprang die Verbindung zu einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der sich im vergangenen  Herbst mit der Symbiose von Pflanzen und Wurzelpilzen, mit Mykorrhiza, beschäftigte – allerdings nicht mit biologisch wissenschaftlicher Ausrichtung sondern im soziologische Sinne auf unsere Gesellschaft bezogen. In dem Moment war die Projektidee da: „Mykorrhiza“. In Unkenntnis der Tatsache, dass die Wirkungsweise dieser Symbiose seit 1920 in Forst- und Landwirtschaft „künstlich“ eingesetzt  wird und der Name Mykorrhiza (altgriechisch mykes = Pilz und rhiza = Wurzel) seit 1885 verwendet wird, wurde noch am Mittagstisch das Konzept geboren, in einer vergleichenden Versuchsanordnung nachzuweisen, dass die Impfung mit Mykorrhizasporen tatsächlich zu den hoch gepriesenen Ergebnissen bei den behandelten Pflanzen führt: Kräftigeres und schnelleres Wachstum, höherer Biomaserertrag, resistenter gegen Stress wie Trockenperioden, kontaminierte Böden, Schädlingsbefall, Verzicht auf Mineraldüngung.
Die Wettbewerbsbedingungen schreiben die Einbindung eines gewerblichen Kooperationspartners vor, die Beteiligung von ausländischen Partnerschulen wird empfohlen. COMENIUS bindet das Obermenzinger bekanntlich in ein weites Netz von europäischen Partnerschulen ein. Im Hinblick auf das laufende COMENIUS Projekt bot es sich an, die in dieses Projekt hineinwachsende Klasse 8a zum „Üben“ und zum Warmwerden mit den Partnerschulen mit der Durchführung des kleinen Projektes Mykorrhiza zu betrauen. Einen Tag vor Abfahrt der 8a ins Skilager wurde die Klasse über die Möglichkeit der Teilnahme in Kenntnis gesetzt und die Bereitschaft zum Mitmachen eingeholt. Die verlockenden ersten Preise des Wettbewerbs, für die ganze Klasse  eine Fahrt nach Singapur oder New York, gaben den Ausschlag für die einstimmige Zustimmung. Damit war die 10b außen vor.

Im Gegensatz zu anderen Teams, die seit September an ihren Projekten arbeiteten, konnten wir nur mit einem schnell erarbeiteten Konzept Ende Januar an die erste Wettbewerbshürde gehen. Wir hatten Erfolg und durften weitermachen oder richtiger: Wir konnten anfangen und mit voller Kraft loslegen; denn die nächste Hürde lag am 19.April zur Abgabe des Projektergebnisses bereits in guter Sichtentfernung. Bis zu diesem Datum mussten der Versuch gefahren, die Live-Präsentation durchgeführt, die Projekt Website navigierbar und der Abschlußbericht fertig gestellt sein. Parallel wurden 25 ehemalige und aktuelle COMENUS Partnerschulen zwecks Mitmachens angesprochen. Vier Schulen in der Türkei, Tschechischen Republik, in Slowenien und Italien erklärten sich trotz des engen Zeitrahmens bereit, an ihren Schulen gleiche Versuche wie wir am Obermenzinger durchzuführen. Neben dem ursprünglichen Kooperationsunternehmen ECORA wurden Pflanzen Kölle, das Faber Mykorrhiza Competence Center in Augsburg sowie der mit Mykorrhiza praktizierende Gärtnermeister Hermann Meyr aus Steinebach am Wörthsee als Partner gewonnen.  Unvermutete Unterstützung erhielten wir dann ganz aus der Nähe, dem Botanischen Garten. Dort forscht und lehrt  Prof. Dr. Reinhard Agerer – LMU, Department Biology and GeoBio-Center  – Organismic Biology: Mycology, genau in dem Fachgebiet, das Grundlage unseres Projektes ist. Professor Agerer gilt als einer der führenden Mykologen auf der Welt. Wir sind stolz und dankbar, dass wir ihn als wissenschaftlichen Kooperationspartner gewinnen konnten. Unsere Projektarbeit hat dadurch die wissenschaftliche Tiefe bekommen. Am Universitätstag konnten wir die kolonisierten Wurzeln der zuvor endgeernteten Pflanzen und dem Mikroskop betrachten. Eine über unsere Partnerschulen hinausreichende Internationalisierung erfuhr das Projekt durch die kurz vor der Live-Präsentation geschlossene Kooperation mit der weltweit agierenden Schülerinitiative „Plant for the Planet“. In diesem Zusammenhang haben wir in Adelshofen im Kreis Fürstenfeldbruck 1.100 Obstbäume mitgepflanzt und diese teilweise mit Mykorrhiza geimpft.

Das Engagement der Schülerinnen und Schüler der 8a, von Lehrerinnen und Lehrern, von Eltern und von den Kooperationspartnern hat zu der gelungenen Live-Präsentation in der Schule am 15. April geführt. Die Bewertung durch die anwesende Gutachterin des FOCUS-Verlages in Verbindung mit der gelungenen Website hat uns die zweite Hürde nehmen lassen: Wir wurden von 140 teilnehmenden Teams als eines von 16 ausgewählt, in Berlin am 14. Juni unser Projekt vor einer hochkarätigen Jury in fünf Minuten vorzustellen. Einen Tag später durften wir bei der offiziellen Preisverleihung im Beisein der Schirmherrin, Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan, unseren Gewinn in Empfang nehmen. Über die Berlinfahrt wird in einem eigenen Beitrag berichtet.

Das Projekt Mykorrhiza war in der ausufernden Komplexität nicht geplant. Es hat jedoch gezeigt, wie Schule ist: Lebendig, spannend, abwechselungsreich. Das Obermenzinger Gymnasium macht Zukunft!

Informationen über das Projekt gibt es im Netz unter

sowie über unsere Schule unter

www.obermenzinger.de

30. Mai 2010
Carsten Witt

Weitere Informationen:

Bericht Berlinfahrt [PDF]
Gratulation Bionade [PDF]
Artikel Wochenanzeiger München [PDF]

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