So kann Inklusion gelingen: 10 Wünsche aus Elternsicht

Illu Streithühner

Wir dürfen uns etwas wünschen – nicht nur drei Dinge, wie bei einer ganz normalen Fee oder einen verzauberten Fisch, sondern gleich zehn. Wir sind vom Blog https://kirstenmalzwei.blogspot.de/, zwei Mütter mit coolen pubertierenden Jungs mit Behinderung aus Baden-Württemberg. Von Anfang sind unsere Kinder inklusive Wege gegangen und wir mit ihnen, im Kindergarten, in der Freizeit und in der Schule. Wir wissen also, wovon wir schreiben, wenn wir jeden Montag eine neue Geschichte „Zwischen Inklusion und Nixklusion“ veröffentlichen.

Damit Inklusion gelingen kann, haben wir diese Wünsche:

  1. Lassen Sie sich darauf ein. Die UN-Behindertenkonvention gilt schon seit fast 8 Jahren in Deutschland. Es geht also bei Inklusion nicht mehr um das „ob“, sondern nur noch um das „wie“. Viel Energie wird dadurch verschwendet, dass Menschen darüber nachdenken, wie man Inklusion verhindern und nicht darüber, wie man sie richtig gut machen kann.
  2. Überdenken Sie ihre Haltung. Eine inklusive Haltung zu entwickeln ist das Wichtigste. Sich etwa zu fragen, wo ich jemanden ausgrenze, ohne dass ich das eigentlich will. Inklusion scheitert nicht an Räumen, Ressourcen oder sonstigen Rahmenbedingungen, sondern sie scheitert in den Köpfen.
  3. Sehen Sie die Chance. Die Chance für alle, zum Beispiel für alle Kinder in der Schule. Wenn wir Vielfalt bejahen, kommen wir ganz schnell dazu, dass wir jedes Kind genau anschauen und überlegen müssen, was es zum guten Lernen braucht. Nicht nur die als „behindert“ gestempelten.
  4. Werden Sie ein Vorreiter. Vorreiter sein macht viel mehr Spaß als hinterher zu latschen. Der inklusive Veränderungsprozess unserer Gesellschaft ist in vollem Gange. Für ihn brauchen wir keine Bedenkenträger, – die gibt es schon genug -, sondern Menschen mit Mut.
  5. Hören Sie den Eltern zu. Wenn Sie mit Kindern mit Behinderung arbeiten, haben sie automatisch Experten in der Nähe. Das sind die Eltern. Wenn Sie diese als Partner gewinnen, haben auch Sie schon halb gewonnen. Elternmitarbeit in Schulen und Kindergärten kann viel mehr als Kuchenbacken und Bierbänke schleppen.
  6. Schauen Sie auf die Stärken. Konzentrieren Sie sich auf die Stärken aller Kinder, nicht auf deren Defizite. Wir sind eine „Aber“-Gesellschaft und sehr gut darin, Kinder zu entmutigen. Das Gegenteil aber bringt sie voran: Indem Sie an sie glauben und ihnen etwas zutrauen, so wie wir unseren Jungs.
  7. Setzen Sie die Sonderbrille ab oder am besten gar nicht auf. Kinder mit Behinderung brauchen manchmal etwas mehr, manchmal etwas anderes und sehr oft gar nichts extra außer Verständnis. Vor allem brauchen sie nicht immer von den anderen getrennt werden.
  8. Unterscheiden Sie zwischen „gut“ und „gut gemeint“. Menschen mit Behinderung formulieren sehr gut selbst, wie sie inklusiv leben wolle: Indem die anderen ihren auf Augenhöhe begegnen und sie ernst nehmen. Inklusion ist keine Mitleidsnummer. Und sie ist auch kein Hobby guter Menschen. Sie ist eine demokratische Verpflichtung.
  9. Entspannen Sie sich. Vieles ist gar nicht so schwer, wie es manchmal auf den ersten Blick zu sein scheint. Vor allem, wenn Sie es mit Humor nehmen. Das tun wir Eltern auch. Wir erleben viele groteske Situationen, auch solche, über die wir dann die Geschichten in unserem Blog schreiben. Aber wir können auch noch über sie lachen.
  10. Sehen Sie zuerst den Menschen. Unsere Kinder sind in erster Linie Kinder wie alle anderen auch. Und erst in hinterer Linie sind sie Kinder mit Behinderung. Sie haben so vieles mehr, was sie ausmacht. Sie auf ihre Behinderung zu reduzieren, wird ihnen nicht gerecht.

Foto von Kirsten_ Ehrhardt
Foto von Kirsten_ Ehrhardt

Kirsten Ehrhardt (Kirsteneins) ist Journalistin und Juristin und lebt mit ihrer Familie in Walldorf bei Heidelberg. Sie hat das Buch „Henri – ein kleiner Junge verändert die Welt“ (https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Henri/Kirsten-Ehrhardt/Heyne/e475446.rhd, in dem auch um Inklusion geht, geschrieben. Sie ist Vorsitzende der Elterninitiative Rhein-Neckar: http://www.elterninitiative-rhein-neckar.de/indexneu.htm

KirstenzweiKirsten Jakob (Kirstenzwei) ist Angestellte im sozialen Bereich und lebt mit ihrer Familie in Ulm. Genauso wie Kirsteneins setzt sie sich in einer Elterninitiative für Inklusion ein: http://inklusioninulm.de/ Ein Portrait über sie ist hier zu lesen: http://kaiserinnenreich.de/2016/12/18/und-wie-machst-du-das-kirsten-2/

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