Studiengang Logopädie B.Sc., Hochschule Fresenius Idstein – Mein Erfahrungsbericht

Maria La Marca (5. Semester)

Spaß kommt nicht zu kurz – Ausprobieren von therapeutischen Spielen mit einer Kommilitonin

Wie einige andere stand auch ich nach dem Abitur da, und wusste noch nicht konkret, was ich in Zukunft wirklich machen möchte. Ich hatte zwar eine Vorstellung im Kopf, aber eine finale Entscheidung zu treffen war schwierig. Fest stand für mich jedoch schon länger: Ich möchte mich gerne für Menschen engagieren, interessiere mich für Sprache und habe großen Spaß an der Arbeit mit Kindern. Auch aus diesen Gründen war das Berufsbild der Logopädie schon länger interessant für mich. Bereits 2012 ging ich zu einem Informationsabend der Hochschule Fresenius, um mir einen Überblick über den Studiengang zu verschaffen. Zusätzlich bestärkte mich das Absolvieren eines Freiwilligendienstes nach dem Abitur in meiner Entscheidung für das Studium der Logopädie – auch wenn mir noch immer ein paar offene Fragen im Kopf herum schwebten. Falls es dir gerade ähnlich geht, hoffe ich, dass mein Weg und meine Erfahrungen dir einige Fragen beantworten und dir die Entscheidung erleichtern!

Im September 2016 begann ich mein Studium an der Hochschule Fresenius in Idstein und kann dirFolgendes berichten:

Das Studium vereint das sprachliche Interesse mit dem direkten Kontakt zum Menschen, dessen kommunikative Möglichkeiten wir verbessern und dessen Lebensqualität wir bereichern können. Punkte, die mir bei meinem späteren Beruf wichtig waren.

Ich merkte am Anfang des Studiums schnell, wie unterschiedlich die Studienmotivationen meiner Kommilitoninnen waren. Das hat mich sehr fasziniert und mir gezeigt, wie vielschichtig der Beruf eines Sprachtherapeuten ist. Das Klischee der Behandlung „lispelnder Kinder“ erfüllt das Feld der logopädischen Arbeit nicht einmal annähernd.

Das Studium bietet sehr interessantes und praxisrelevantes Hintergrundwissen. Besonders die ersten beiden Semester schafften mit Fächern wie Sprachwissenschaft, Medizin, Spracherwerb und Stimmbildung (Wie entsteht die Stimme überhaupt?) Grundlagen für die folgenden Semester. Hier wurde mir schnell klar, wie wichtig es für uns ist, sich sprachlich ausdrücken zu können, wie selbstverständlich wir das „Instrument“ Sprache benutzen, und wie komplex und interessant die Prozesse beim Erlernen, Verstehen, Anwenden und stimmlichen Gestalten der Sprache sind.

Darauf aufbauend lernten wir ab dem zweiten Semester verschiedene logopädische Störungsbilder kennen. Angefangen im Bereich der Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern, der Redeflussstörungen und der Stimmstörungen bei Erwachsenen gelangten wir im vierten Semester zum Bereich der Neurologie. Ein komplexes und äußerst spannendes Feld. Jedes Semester lernt man neue Störungsbilder kennen, erfährt mehr und taucht tiefer in die Welt der Sprachtherapie ein. Das Studium ist dadurch sehr facettenreich.

Lotto oder Kiki Ricky? – Auswahl eines Spiels für die nächste Therapieeinheit mit einem Kind

Ein Unterschied zu der Ausbildung besteht darin, dass die sprachtherapeutische Arbeit im Studium stets vor wissenschaftlichen Hintergründen betrachtet wird. „Wissenschaft, Forschung -Muss das sein?“ Ich stand dem anfangs skeptisch gegenüber und dachte, dass das gar nicht meins ist. Mit der Zeit fand ich jedoch die Antwort auf meine Frage der Notwendigkeit: Ein klares Ja! Es zeigte sich, wie wichtig, interessant und bedeutend diese Hintergründe in der logopädischen Arbeit sind, besonders um Methoden individuell den Bedürfnissen unserer Klienten anpassen und das Gelingen der Therapie reflektieren zu können. Durch Kenntnisse im Bereich Wissenschaft können sich mir neben der praktischen Arbeit zukünftig auch mehr Türen öffnen und berufliche Perspektiven ergeben wie z. B. in der Forschung oder Lehre. Ich habe das bisher als sehr positiv empfunden, da mir das fundierte Wissen in der praktischen Anwendung häufiger einen kleinen „Aha-Moment“ beschert.

Aber praktisch? Besteht ein Studium nicht nur aus Vorlesungen? Im Studiengang Logopädie der Hochschule Freseniusin Idstein definitiv nicht. Als angehende Therapeuten müssen wir praktisch Üben, Erfahrungen sammeln und wissen, wie man die Theorie gut umsetzen kann. Wir haben von Beginn an bei Therapien in der Lehrpraxis der Hochschule und in einer selbst ausgesuchten Praxis zuschauen und etwas mitwirken dürfen. Wir standen also sofort in Kontakt mit dem therapeutischen Alltag und den Patienten. So wird die Theorie erfahrbar und die praktische Umsetzung deutlich. Zusätzlich werden in den Vorlesungen verschiedenste Situationen und Methoden praktisch erprobt und gemeinsam reflektiert. Zu jedem Störungsbild gibt es ein methodisches Fach, in dem praktisch geübt wird. Dieses ermöglicht es in kleinen Gruppen Methoden und Verfahren auszuprobieren. Man lernt Theorie und Praxis zu verknüpfen. Ein absolutes Plus und eine gute Übung für die folgenden studienintegrierten Praktika.

Medizinische Grundlagen – Eine Säule des Logopädiestudiums

In der ersten Praxisphase hatte ich zunächst das Gefühl, alleine ins kalte Wasser zu springen. Die praktische Vorarbeit und die Unterstützung durch unsere Dozenten waren jedoch sehr hilfreich. Die Dozenten sind immer ansprechbar und stehen einem mit Rat und Tat zur Seite. Somit war das Wasser schon nach einiger Zeit nicht mehr ganz so kalt wie zu Beginn. Die Praxisphasen starten im Bereich der Kindersprache und enden mit einem neurologischen Schwerpunkt. Hier werden viele spannende Eindrücke und Erfahrungen in Vorbereitung auf das Berufsleben gesammelt. Nach theoretischer und praktischer Vorarbeit in den therapeutischen Alltag einer Praxis mit eingebunden zu werden, war ein tolles Gefühl. Hier konnte ich Kinder von Beginn ihrer Therapie begleiten, ihre Therapien unter Supervision planen und durchführen, sowie am Ende der Praxisphase ihre Fortschritte durch meine Therapie erkennen. Es war eine wirklich schöne Erfahrung zu bemerken, dass man so etwas Positives bewirken kann. Der große praktische Anteil des Studiums ist also nicht nur sehr vorteilhaft und wichtig, sondern bereitet auch wirklich viel Spaß!

Aus diesen Gründen und besonders aufgrund der Vielfältigkeit und der verschiedenen Facetten der logopädischen Arbeit kann ich guten Gewissens sagen: Das Studium wird nicht langweilig!

Von Säuglingen bis Senioren, von Schluckstörung bis Stimmstörung, von Malermeister bis Sänger. Es ist alles dabei. Mir wurde schnell klar, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Eine Entscheidung, mit der ich Menschen nach schweren Schicksalsschlägen dabei unterstützen kann, bestmöglich zurück in den Alltag zu finden, mit der ich Kindern Chancengleichheit ermöglichen oder einem Sänger helfen kann, endlich wieder die Hauptrolle in einem Musical zu spielen. Ich habe die Entscheidung für das Studium der Logopädie nicht bereut und kann es guten Gewissens jedem Interessenten ans Herz legen.

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