Was uns bewegt – Heute mit Max Theodor Schmitt

Max Theodor Schmitt ist Schüler des Gymnasiums am Römerkastell und besucht die 11. Klasse. Seit 2019 ist er im Landesvorstand der Landesschüler*innenvertretung von Rheinland-Pfalz und engagiert sich vielfältig ehrenamtlich in seiner Freizeit.

Die Corona-Pandemie legt derzeit das gesamte öffentliche Leben lahm. Schulen bleiben noch mehrere Wochen geschlossen, die sozialen Kontakte sind massiv eingeschränkt. Wie gehst Du damit um und was ist für Dich leichter zu verkraften, nicht in die Schule zu gehen oder sich mit nervigen Eltern und Geschwistern herum plagen zu müssen?

Sicherlich kann es im Alltag mit der Familie zu kleineren Auseinandersetzungen kommen, aber im großen und ganzen ist das doch eher das kleinere Übel. Ich als Person bevorzuge den Unterricht von Person zu Person und auch die Pausen mit netten Unterhaltungen unter Mitschüler*innen. Da ich ein sehr kommunikativer Mensch bin, fehlt mir der Schulalltag doch ein bisschen.

In unserem Bundesland Nordrhein-Westfalen schlagen Bildungspolitiker*innen vor, das Lernangebot für zu Hause auf freiwilliger Basis fortzuführen. Was hältst Du davon?

Ich bin grundsätzlich für diese Idee, da man sich in einer gewissen Art und Weise gutes Homeschooling auch leisten können muss. Es soll darauf geachtet werden, dass funktionierendes Homeschooling nicht zu einem Luxusgut wird. Es muss eine kontinuierliche Lernbegleitung gewährleistet sein, nicht etwa nur die Bereitstellung von Materialien, anhand derer alle Inhalte selbst erarbeitet werden müssen. Solange das nicht gegeben ist, sollte das Angebot freiwillig sein.

Erwiesenermaßen lernen Schülerinnen und Schüler leichter und sind konstruktiver, wenn sie weniger unter Druck und Stress stehen. In den Waldorfschulen gibt es bis zur Oberstufe keine Notenzeugnisse, sondern ausführliche Beurteilungen der Schülerinnen und Schüler, aus denen sie ihre Stärken und Schwächen erkennen können. Eine Idee, der Du Dich anschließen könntest ?

Ja, definitiv! Notengebung ist an sich ein sehr widersprüchliches Konstrukt. Man möchte die Schüler*innen dazu bringen effektiver zu lernen und erreicht genau das Gegenteil, dass Schüler*innen den Spaß beim Lernen verlieren und sich eine Abwehrhaltung gegen Bildung entwickelt.  

Dann möchte man Vergleichbarkeit für den Arbeitsmarkt schaffen und nimmt diesem damit die Chance der individuellen Beurteilung. Aus diesen Gründen würde ich noch weiter gehen und sagen, dass selbst im Abitur keine Noten vergeben werden sollen. Dies würde den Weg für eine individuellere und nützlichere Bewertung frei machen.

Jeden Freitag demonstrierten bisher Schüler*innen für einen besseren Klimaschutz mit ihrer Initiative “Fridays for Future”. Das Thema Klimawandel bzw. Klimaschutz scheint euch jungen Menschen ganz besonders am Herzen zu liegen. Wie aber wird dieses sehr wichtige Thema an eurer Schule behandelt, gibt es hierzu spezielle Projekte oder eine Umwelt- bzw. Klimaschutz AG?

Nein, leider nicht und wenn nur vereinzelt. Ich selbst muss mich in meiner Freizeit z.B. im Plenum bei Fridays for Future mit diesem Thema beschäftigen, da es in meinen Augen keine ausreichenden Möglichkeiten gibt, sich im Unterricht damit zu beschäftigen. 

Mit der Auszeichnung „Nachhaltige Schule“, hat die Landesschüler*innenvertretung Rlp in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. Das reicht bei weitem nicht aus. Umwelt und Klimaschutz muss in die Lehrpläne!

Welchen Stellenwert hat im allgemeinen und besonders jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, Religion und der Glaube an Gott für Dich? Den beiden konfessionellen Kirchen sind in der Vergangenheit scharenweise die Mitglieder davon gelaufen. Was glaubst Du, müssten Kirchen heute tun, um gerade junge Menschen wieder für sich zu gewinnen?

Da ich nicht gläubig bin, spielt Religion nach wie vor keine sonderlich große Rolle für mich. Die beiden Christlichen Kirchen sind nicht gerade für fortschrittliche Ansichten bekannt. Dass man im Jahr 2020 andere Sexualitäten immer noch nicht gänzlich akzeptiert und aufnimmt ist zum Beispiel ein Grund, warum viele Jugendliche von den Kirchen abgeschreckt sind. Ein Sinneswandel in gewissen Themenfeldern könnte die Kirchen wieder attraktiver machen. 

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