5 Fragen — 5 Antworten “Neugierig auf Forschung machen”

Die „Forscherwelt“ ist eine internationale Bildungsinitiative von Henkel mit dem Ziel, bei Kindern den Entdeckergeist und die Freude am Forschen zu wecken. Sie wurde im April 2011 ins Leben gerufen. Zu den Angeboten der Initiative gehören Unterrichtsreihen für Grundschulen im gleichnamigen Schülerlabor am Standort Düsseldorf, von Fachdidaktikern entwickelte Unterrichtsmaterialien sowie Fortbildungen. wissensschule tauschte sich dazu mit der Leiterin der Forscherwelt Frau Dr. Ute Krupp aus.

Sustainability Report 2011, page 36 02, Dr. Ute Krupp

Frau Dr. Krupp würden Sie sich bitte unserer Leserschaft einmal kurz vorstellen?

Ich arbeite bei Henkel im Team Sustainability Management, also im Bereich Nachhaltigkeit. Mein Hauptprojekt ist die Forscherwelt, deren Konzept ich vor einigen Jahren entwickelt habe und die ich seitdem leite. Eine Arbeit, die mir besonders großen Spaß macht, weil ich hier meine Kenntnisse aus dem Studium – ich bin promovierte Chemikerin – mit meiner Leidenschaft für Nachhaltigkeit und Kommunikation verbinden kann.

Was waren die Gründe für Henkel die Bildungsinitiative “Forscherwelt” zu initiieren?

Für unser Unternehmen ist gesellschaftliches Engagement sehr wichtig, es ist tief in den Wurzeln unserer Unternehmenskultur verankert. Der wichtigste Bereich dabei ist die Förderung von Bildungsprojekten. Doch wir wollten etwas Eigenes gründen. Die Forscherwelt setzt dabei schon sehr früh in der Ausbildung der Kinder an. Ich bin davon überzeugt, dass das genau richtig ist. Kinder sind neugierig und wollen die Welt verstehen. Sie sind auf der Suche nach Antworten – durch Ausprobieren, Nachfragen und Beobachten. Und genau das ist Forschung. Das wollen wir den Kindern vermitteln. Wir möchten sie nachhaltig für Naturwissenschaften begeistern und ein authentisches Erlebnis von Forschung nahebringen. Gleichzeitig möchten wir für MINT begeistern. Bisher haben wir weltweit über 24.000 Kinder mit der Initiative erreicht und mit ihnen Experimente zu den Themen Kleben, Waschen, Körperpflege und Nachhaltigkeit durchgeführt. Also die Themen, mit denen sich auch unsere Forscher bei Henkel beschäftigen.

Leider sind die naturwissenschaftlichen Berufe bei jungen Menschen nicht so beliebt. Sind nicht auch zwei der Gründe für dieses Problem die Skepsis gegenüber innovativen Technologien sowie die Langeweile im naturwissenschaftlichen Unterricht ? Muss hier nicht auch mehr Feuer im Unterricht entfacht werden?

Davon bin ich überzeugt! Oft fehlen aber die Ressourcen, und deshalb richtet sich die Forscherwelt nicht nur direkt an die Kinder, sondern wir schulen auch Lehrerinnen und Lehrer und stellen Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Wir merken in unserer Arbeit mit den Kindern, dass es wichtig ist, sie selber experimentieren zu lassen und ihnen so ein authentisches Erlebnis von Naturwissenschaften und Forschen zu vermitteln.Im Grundschulalter sind Kinder besonders offen für die MINT-Themen und bringen von sich aus eine große Begeisterung für das Thema mit. Diese muss man unterstützen und durch positive Erfahrungen mit naturwissenschaftlicher Forschung fördern, damit ein wichtiger Schritt in Richtung einer weitergehenden Interessensbildung getan wird.

Was unterscheidet die Forscherwelt von einem klassischen Schülerlabor?

Wir können mit den Experimenten in der Forscherwelt realitätsnahe Forschungsprozesse nachbilden und diese für die Kinder greifbar machen. Denn alle Versuche haben ihre Wurzeln in der echten Forschung. Aber die Forscherwelt ist mehr als ein klassisches Schülerlabor. Sie ist ein Erlebnisraum. Auf dem „Berg des Wissens“ können die kleinen Forscher zwischen den Experimenten spielen und über das Erlebte sprechen. Kreativität, Spaß und Selbermachen sind hier erlaubt. Sie dürfen hier auf einmal Mischen, Rühren, Erhitzen und sogar mit Absicht Ketchup-Flecken aufs T-Shirt machen. Aber sie müssen ihre Arbeit und ihre Ergebnisse auch aufbereiten und präsentieren. Auch das gehört ja zur Arbeit eines Forschers dazu.

Lassen sich aus Ihrer Erfahrung signifikante Unterschiede beim “Erforschen” zwischen Mädchen und Jungs feststellen? Wer ist hier neugieriger bzw. wissbegieriger?

Ich würde sagen, dass Mädchen und Jungen gleich viel Neugierde und Begeisterung zeigen. Was ich beim Experimentieren viel mehr sehe, ist, ob die Kinder von zuhause aus gewohnt sind, praktisch mitzuhelfen, oder ob ihnen im Alltag entweder nichts zugetraut oder alles abgenommen wird. Letzteres ist oft bei den überbehüteten Kindern der Fall und hängt nicht vom Geschlecht ab.

Wie messen Sie den Nutzen der Forscherwelt, gibt es irgendwelche Indikatoren, an denen Sie festmachen können wie erfolgsversprechend Ihre Initiative ist?

Das beste Feedback erhalten wir natürlich direkt von den Kindern, die zu uns in die Forscherwelt kommen. Faszinierend ist immer der Moment, wenn Kinder grundlegende Zusammenhänge verstehen, Rückschlüsse ziehen und wir einen Erkenntnisgewinn sehen. Das kann man sehr genau beobachten. Ein guter Indikator sind auch die sehr positiven Rückmeldungen der Lehrkräfte, die wir in Abständen auch befragen. Die gute Resonanz zeigt sich auch darin, dass die Grundschulen, die uns besuchen, zum Teil lange Wege auf sich nehmen, um zu uns zu kommen.

Besonders freut mich außerdem, dass unser didaktisches Konzept, das wir damals zusammen mit der Ruhr-Universität Bochum entwickelt haben, auch international gut ankommt und wir dabei sehr konstruktiv mit öffentlichen Behörden und Einrichtungen zusammenarbeiten. Mittlerweile gibt es das Konzept der Forscherwelt auch in Russland, Argentinien, der Türkei, Italien, Polen, Vereinigten Arabischen Emiraten, Chile und in Indien.  Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Ob aus den Kindern später dann wirklich Forscher werden, können wir natürlich nicht nachhalten. Freuen würde es mich!

Sorry, comments are closed for this post.