Ausbildungsmarketing aus Sicht von Bewerbern – was Homepage & Co. verrät

13 : 18 Querformat

Unternehmen tun sich aktuell immer schwerer, die Ausbildungsplätze zu besetzen. Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern wächst und die Anzahl der ausbildungswilligen Schüler/innen nimmt relativ konstant ab.

Gute Zeiten für Bewerber!

Unternehmen lassen sich dabei immer mehr einfallen, um sich von anderen Unternehmen abzuheben. Zusätzliche Ausbildungsangebote, Sprachkurse, Auslandseinsätze – der Vielfalt sind fast keine Grenzen gesetzt.

Genau diese Vielfalt kann aber für einen potenziellen Bewerber auch die Herausforderung sein, weil das Angebot immer mehr zunimmt. Nicht nur, dass man eine klare Vorstellung bei der Berufswahl haben sollte, sondern dann auch noch das richtige Unternehmen zu finden, fordert manchen Bewerber ordentlich. Es sind also zwei Fragen aus Sicht von Bewerbern zu beantworten: Welchen Beruf will ich erlernen – in welchem Unternehmen? Oder anders ausgedrückt: Weswegen Beruf X im Unternehmen Y?

Diese beiden Fragen zu beantworten erfordert etwas Zeit.

Schauen wir uns einmal die Frage „welchen Beruf?“ an – und was hierzu von Unternehmen beigesteuert werden kann.

Es gibt in Deutschland sehr viele Ausbildungsberufe – weit über 300. Wie soll man sich da noch zurechtfinden? Viele Bewerber flüchten daher auf die Schule und riskieren, dass der aktuelle vielleicht gute Schulabschluss durch einen höheren Schulabschluss dann überschattet wird. Nicht selten gelingt es nämlich nicht, die guten Leistungen beizubehalten und man rutscht dann etwas ab. Daher kann es durchaus sinnvoll sein, sich rechtzeitig mit der Berufswahl zu beschäftigen.

Zunächst gilt es herauszufinden, welches Berufsfeld in Frage kommt: Handwerk? Banken / Versicherung? Pflege? Finanzbereich? Kaufmännisch? Industrie? Hierzu gibt es durchaus interessante Job-Navigatoren oder Berufefinder von Unternehmen – aber auch von Institutionen und teilweise von den Bildungsministerien.

Steht die grobe Richtung fest, gilt es diese Entscheidung zu bestätigen und sich über die Berufe zu informieren. Zum einen ist der Ausbildungsverlauf wichtig, aber zum anderen spielen die Perspektiven nach der Ausbildung eine immer wichtigere Rolle.

Um mehr darüber zu erfahren, sind Berufsbörsen, Tage der offenen Tür, Kontaktmöglichkeiten – aber auch Praktika, die man in den Unternehmen absolvieren kann, hilfreich.

Die erste Recherche sollte also dahingehend erfolgen, welche Unternehmen hier etwas anbieten. Damit trennt sich schon mal die Spreu vom Weizen, weil nicht alle ausbildenden Unternehmen hierzu etwas veröffentlichen und anbieten.

Auf Unternehmensseite sind durchaus Jobbörsen, die am Wochenende stattfinden, interessant. Denn dann muss der Schüler etwas von seiner privaten Zeit opfern, um daran teilzunehmen – dieses Engagement wird gerne gesehen und man hinterlässt schon mal einen guten Eindruck.

Manche Unternehmen sind hier besonders innovativ und bieten so etwas wie eine „Nacht der Bewerber“ an. Spätmittags öffnen sie die Türen für die Öffentlichkeit und Gespräche etc. sind bis nachts möglich. Alternativen sind Aktionen, in denen sich Unternehmen zusammen tun und gemeinsam einen Talentshuttle veranstalten.

Bei diesen Veranstaltungen zeigt es sich, wer hier Auskunft geben darf. Sind es „nur“ die Ausbilder? Dann könnte der Verdacht entstehen, dass die Auszubildenden nichts zu sagen haben oder ihnen nicht vertraut wird. Daher sind gerade Gespräche mit Auszubildenden im Hinblick auf die Frage der Berufswahl aufschlussreich. Darüber hinaus kann beim ersten Kontakt schon mal nach Möglichkeiten von Praktika gefragt werden.

Kurzes Zwischenfazit:

  • Welche Möglichkeiten bestehen in Ihrer Umgebung, sich über Berufe zu erkundigen?
  • Was bieten Unternehmen in dieser Richtung an?
  • Was sind von diesen Unternehmen noch Aktionen, die mehr als Standard sind? Das scheinen interessante Unternehmen zu sein, in denen die Ausbildung einen hohen Stellenwert hat.

Steht dann fest, welcher Beruf erlernt werden will, dann folgt der nächste Schritt. Schauen wir uns dann noch die zweite Frage an: „Weswegen bei Y?“.

Hier zeigt sich besonders, welche Unternehmen Bewerber ernst nehmen und aktiv umwerben. Informationen über die Ausbildung finden sich mindestens auf der Ausbildungshomepage. Sind hier umfangreiche Informationen vorhanden? Was wird über den Ausbildungsverlauf geschrieben? Ist für mögliche Nachfragen eine konkrete Person namentlich erwähnt? Gibt es vielleicht sogar eine Bewerberhotline, die angerufen werden kann? Manche Unternehmen bieten nämlich einen Service, dass von 7.00 – 22.00, montags bis freitags Auskünfte erteilt werden! Dieses zeigt schon, dass bereits die Bewerber umworben werden – und später auch die Auszubildenden.

Zudem lohnt es sich auf der Homepage zu schauen, was „mehr als Ausbildung“ geboten wird. Unternehmen mit einer hochwertigen Ausbildung bieten nämlich mehr als Gehalt: Auslandseinsätze, Messebesuche, Exkursionen, Sprachkurse, Zusatzangebote usw..

Darüber hinaus wird von Unternehmen mit einer hochwertigen Ausbildung über solche Aktionen in den Sozialen Medien berichtet: Über einen Einsatz im Ausland, wird in Facebook gepostet. Erfahrungsberichte von Auszubildenden, die auf Messen eingesetzt waren, sind über einen QR-Code abzufragen. Twitter wird für kurze Informationen eingesetzt.

Diese Aktivitäten auf Seiten der Unternehmen zeigen, dass Ausbildung ernst genommen wird. Vor und während der Ausbildung. Und sehr häufig gibt es attraktive Übernahmenagebote.

Es lohnt sich also zu schauen, wie die Unternehmen Ausbildungsmarketing betreiben und wie sie auf die Situation von Schülern/innen eingehen und sich hier sichtlich Mühe geben und Ausbildungsinteressenten umwerben.

Insofern: Wenn Unternehmen Engagement von Bewerbern erwarten, dann dürfen Bewerber auch einiges vom Ausbildungsbetrieb erwarten.

Machen Sie den Test und finden Sie heraus, wo Sie sich umworben fühlen. Mit weniger sollten Sie sich nicht zufrieden geben!


Stefan F. Dietl leitet die Ausbildung national / international in einem Industrieunternehmen und hat zum Thema Ausbildungsmarketing bereits mehrere Bücher publiziert.

Leave a reply