Fluglotsin – mein Erfahrungsbericht

zehl

Aufmerksam bin ich auf den Beruf des Fluglotsen durch eine Anzeige der Deutschen Flugsicherung in unserer Abizeitung geworden.

Ich war schon länger an der Luftfahrt interessiert und die Arbeitsbedingungen, wie eigenständiges Arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und eine abwechslungsreiche Arbeit, überzeugten mich und ich entschied mich, eine Bewerbung zu schreiben.

Ich hatte mir nicht allzu große Hoffnungen gemacht, da ich wusste, dass nicht viele das mehrstufige Auswahlverfahren bestehen, aber ich wollte es zumindest probieren.

Zunächst musste ich einen Persönlichkeitstest in Form eines Fragebogens bestehen. Anschließend fand ein zweitägiger Computertest in Hamburg statt. Dort wurden u.a. Belastbarkeit, Multitasking, Reaktionsgeschwindigkeit, räumliche Vorstellung, Merkfähigkeit und Englisch getestet.

Nachdem auch diese Hürde genommen war, ging es ein letztes Mal nach Hamburg, zu einigen Teamübungen, einem Englischtest, einem Interview sowie der Untersuchung der medizinischen Tauglichkeit.

Neun Monate später begann die Ausbildung in Langen bei Frankfurt, wo wir alles Wichtige zum Thema Flugsicherung lernten. Zunächst fängt die Ausbildung rein theoretisch an. Es werden Themen wie Meteorologie, Flugzeugkunde, Navigation, Englisch, gesetzliche Bestimmungen sowie die Grundlagen der Flugsicherung behandelt.

Nach 2 Monaten ging ich gemeinsam mit meinen Lehrgangskolleginnen und –kollegen zum ersten Mal in den Simulator, in dem ein Großteil der Ausbildung in Langen stattfindet und praktisch geübt wird, was wir eines Tages eigenverantwortlich und selbständig arbeiten.

Nach 12 – 16 Monaten und mehreren theoretischen und praktischen Prüfungen, geht es in eine der Niederlassungen: entweder an einen der zahlreichen Tower der DFS oder in eines der Kontrollzentren in Karlsruhe (wobei hier ausschließlich der obere Luftraum, kontrolliert wird), Maastricht (ebenfalls oberer Luftraum), Bremen, Langen oder München.

Ich durfte nach München, wo ich das so genannte OJT ( On the Job Training) bei der An- und Abflugkontrolle für München begann.

Auch in der Niederlassung lernte ich zunächst einmal die Theorie und im Simulator alles über den zukünftigen Luftraum. Nach ca. 2 Monaten durfte ich dann im Live-Traffic trainieren.

Dort arbeitete ich zum Großteil selbstständig, allerdings immer unter der Beobachtung eines Coaches, der darauf achtet, dass alles sicher und effizient abläuft und der mir bei möglichen Unsicherheiten jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht.

Innerhalb von 1-2 Jahren werde ich alle notwendigen Lizenzen erwerben, um als Lotse schließlich eigenständig den kompletten Luftraum bearbeiten zu dürfen.

Mir gefällt die Ausbildung sehr gut. Auch wenn ich jeden Tag vor neue Herausforderungen gestellt werde und sehr viel Verantwortung trage, ist es genau das, was den Reiz an der Ausbildung ausmacht – für mich ist es ein absoluter Traumberuf.

Auch die Kollegen machen den Arbeitsalltag sehr angenehm, da ein sehr offenes und lockeres Arbeitsklima herrscht. Außerdem arbeiten wir im Schichtdienst, was viele Vorteile mit sich bringt.

Ich kann die Ausbildung also nur empfehlen, v.a. wenn man weniger der Theoretiker als Praktiker ist und eine anspruchsvolle Arbeit ohne Studium sucht.

Ich freue mich jetzt schon auf den Tag, an dem ich alleine für meinen Luftraum zuständig bin und mich als fertige Fluglotsin bezeichnen darf.

Mehr zum Beruf

Leave a reply