Inklusion: Ja! Inklusion – ja, aber…..

Dr. Ute Schimmler | Foto: Monique Siwiec

Diese beide Aussagen beschreiben relativ genau die Stimmungslage in der bundesdeutschen Lehrerschaft. Die meisten Lehrer und Lehrerinnen befürworten inzwischen die Inklusion, ABER die Umsetzung wird kritisiert. Und dies zu recht!

Wo genau liegen Kritikpunkte?

Sehen wir uns die Ausgangsage an. Seit Beginn der Inklusion tummeln sich in einem Klassenverband alleKinder, manchmal mit Ausnahme der körperbehinderten. Das bedeutet: eine Lehrkraft steht vor Kindern mit

  • normaler Sozialisation
  • psychischen Störungen („Verhaltensauffälligkeiten“)
  • körperlichen Krankheiten (z.B. Diabetes)
  • Hochbegabung
  • Behinderungen (z.B. Trisomie 21, Stoffwechselstörungen, Seh- oder Hörbehinderungen etc.)
  • psychisch kranken Eltern
  • Flüchtlingskindern mit und ohne Traumatisierungen
  • ….*

Diese Liste lässt sich noch viel weiter ausdifferenzieren. Und vor diesem Hintergrund soll ein einzelner Mensch unterrichten. Auch dem Laien wird deutlich, dass dies schlicht ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Dazu kommen Eltern, die ihrerseits Probleme mitbringen, und die manchmal auch gar nicht sehr glücklich mit der Klassenzusammensetzung sind. Die einen nicht, weil sie fürchten ihr („normales“) Kind lernt zu wenig, die anderen nicht, weil sie befürchten, ihr Kind wird nicht genug gefördert. Wenn man ehrlich ist, besteht diese Befürchtung zu Recht. Wie soll man es schaffen, sehr lernschwache Kinder, um nur ein einfaches Beispiel zu nennen, immer und immer wieder beim Üben zu unterstützen, wenn noch 21 andere Kinder je individuelle Hilfe bräuchten?

Die Behörden der meisten Bundesländer haben es sich für meine Begriffe recht einfach gemacht. Inklusion wird angeordnet und umgesetzt. Punktum. Wie, ist nicht mehr Sache der Behörde. Aber dazu muss man sie wieder machen! Inklusion ist ein sehr wichtiges gesellschaftliches Ziel, und nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann sie gelingen. Dazu muss man die Lehrer mit ins Boot holen, und dazu wiederum braucht es vor allem personelle Unterstützung. In jeder Klasse müssten mindestens zwei Lehrer und Lehrerinnen gemeinsam anwesend sein, besser wäre eine Dreifachbesetzung, so dass man Probleme rasch klären kann. Es müssen ja nicht immer drei Lehrer sein, auch Diplompädagogen und Erzieher/innen stellen eine große Unterstützung dar. Dann, und nur dann, werden wir irgendwann eine Schule haben, in denen alle Schüler inklusiv beschult werden und wo nicht nur stolz gesagt wird: Wir haben jetzt in jedem Jahrgang eine Inklusionsklasse (in die alle „schwierigen“ Kinder abgeschoben und damit wieder exkludiert werden).

Buchtipp dazu

Über die Autorin | Die Lehrerin und Autorin Dr. Ute Schimmler wurde 1953 in Bremen geboren. Nach dem Studium und der Promotion entschloss sie sich, weiter im Bereich der Grundschule zu arbeiten. Besonderes Interesse hatte sie dabei an der Arbeit mit verhaltens“originellen“ Schülern.

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