Multimedia-Projekt HISTORY OF FOOD fördert gerechtere Bildungsarbeit

Globale Produktionsverhältnisse im Bereich Nahrung und Lebensmittel werden häufig als geschichtslos oder neutral dargestellt. In deutschen Schulbüchern und beliebten Online-Nachschlagwerken wie Wikipedia wird die globale Geschichte von Pflanzen meist aus einer Perspektive erzählt – der europäischen. Die entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation SODI (Solidaritätsdienst International e. V.) leistet mit dem multimedialen Bildungsprojekt HISTORY OF FOOD – Unsere Nahrung und ihre globalen Wurzeln (historyoffood.de) einen Beitrag, dass Bildungsarbeit marginalisierte Perspektiven einbezieht und Bildung gerechter gestaltet wird.

Bild: SODI / dia°

Mit interaktiver Website (historyoffood.sodi.de), multimedialer Wanderausstellung (historyoffood.sodi.de/ausstellung), Unterrichtsmaterial für Lehrende an Schulen und anderen Lernorten (historyoffood.sodi.de/bildungsmaterial/bildungsmaterial/) sowie begleitenden Workshops geht SODI folgenden und ähnlichen Fragen zur Globalgeschichte von Mais, Reis, Weizen und Co. nach: Wie kamen beispielsweise Rohrzucker, Soja oder Palmöl nach Europa? Wo stammen die Pflanzen ursprünglich her und von wem wurden sie genutzt? Un­ter welchen Bedingungen und mit welchen Auswirkungen wurden sie verbreitet? Wie veränder­te sich die Verbreitung der Nutzpflanzen durch die europäische Kolonialpolitik, durch Besetzung und Ausbeutung während des Kolonialismus? Welche Kontinuitäten zeigen sich heute? In welche globalen Machtstrukturen sind Anbau, Produktion und Vertrieb eingebunden? Welche Auswirkungen auf Mensch, Tier, Umwelt und Klima hat der Anbau der Pflanzen? Was können wir für eine global gerechte Ernährung und eine Dekolonisierung eigentlich tun?

Bild: SODI / dia°

Unter dem Aufhänger „Geschichte prägt die Gegenwart“ und der Fragestellung „Wer schreibt eigentlich Geschichte?“ diskutiert das Projekt am Beispiel unserer täglichen Nahrung, z. B. Brot, Ketchup oder Popcorn, vor allem Kolonialismus und postkoloniale Kontinuitäten. Kolonialismus ist kein abgeschlossener Prozess. Er setzt sich noch heute in gewisser Weise fort, z. B. in Ressourcenausbeutung von Nutzpflanzen und Land oder in der Ausbeutung von Menschen und Arbeitskraft im Pflanzenanbau und der Nahrungsproduktion in Ländern des so genannten Globalen Südens. Viele Aspekte und Geschichten von Menschen in diesem Zusammenhang sind im deutschen und europäischen Kontext aber schwer zugänglich, verschüttet, marginalisiert. HISTORY OF FOOD leistet einen Beitrag dies zu verändern und die Perspektiven zu erweitern.

Website, Wanderausstellung, Unterrichtsmaterial und Workshops zeigen Beispiele verdrängter Perspektiven und Geschichten wie lokale Küchen, die erste Selbstbefreiung versklavter Menschen, den lateinamerikanischen Mais-Kult oder auch Held*innen des Widerstands gegen Kolonialisierung oder Versklavung. Das Bildungsprojekt richtet sich vor allem an Lehrende an verschiedenen Lernorten wie Schule, Bibliothek, Jugendclub, Kieztreff und Lernende wie Schüler*innen, Besucher*innen, Online-User*innen.

Website, Ausstellung und Co. finden Sie ab sofort unter www.historyoffood.de. Die Wanderausstellung kann ab sofort gebucht werden. SODI begleitet die Ausstellung gerne mit Workshops.

Zur Buchung und bei Fragen, z. B. zum Einsatz des Unterrichtsmaterials, wenden Sie sich an Ettina Zach und Ihre Kolleg*innen unter  e.zach@sodi.de  oder globaleslernen@sodi.de.

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