Porzellanmalerin – mein Erfahrungsbericht

Vom Hobby zum Traumberuf – die Ausbildung als Porzellanmalerin in der Porzellanmanufaktur Meissen

Die Auszubildende Lucinde Friedrich bei der Arbeit | Foto: MEISSEN®

Nach meinem Schulabschluss stand ich vor der Frage, ob ein Studium oder doch eher eine Ausbildung der weitere berufliche Weg für mich sein sollte. Seit meiner frühen Kindheit habe ich gern Zeichnungen von der Natur oder auch verschiedensten Gegenstände angefertigt. Der Kunstunterricht in der Schule hat mir großen Spaß gemacht und so gehörte Malen auf Papier schon immer zu meinen größten Hobbys.

Daher stand für mich sehr schnell fest, dass ich einen künstlerischen Beruf ausüben möchte. Die Idee eine Ausbildung als Porzellanmalerin zu beginnen, kam über Freunde und Bekannte. Sie hatten davon gehört, dass die Porzellanmanufaktur Meissen eigene Porzellanmaler ausbildet und gerade in diesem Beruf besonderes künstlerisches Talent und Kreativität gefragt sind.

Als älteste Porzellanmanufaktur Europas war mir Meissen bereits bekannt und mit ihrer über 300jährigen Geschichte war ich sehr gespannt darauf, wie eine Ausbildung zur Porzellanmalerin genau aussehen würde. Zunächst war ich dazu aufgefordert, bisherige Studien auf Papier einzureichen. Dabei sollte ein möglichst breites Spektrum abgedeckt werden, um einen guten Eindruck von meinen künstlerischen Fähigkeiten zu vermitteln. Insgesamt zehn Zeichnungen in verschiedenen Techniken – zum Beispiel Aquarellmalerei oder Bleistift- und Tuschzeichnungen – habe ich neben meiner schriftlichen Bewerbung eingesendet.

Nach einigen Wochen erhielt ich schließlich zu meiner großen Freude eine Einladung zum Eignungstest. Wer in die engere Auswahl kommt, darf eine ganze Woche in der Manufaktur Meissen sein Talent unter Beweis stellen. Zunächst erhielten 15 Bewerber und Bewerberinnen in der Zeichenschule verschiedene Aufgaben, wie das Zeichnen von Blumen, Gegenständen, Dekoren nach Vorlagen und Modellen oder auch frei gestaltete Arbeiten nach thematischer Vorgabe. Außerdem konnte ich mit einem Besuch der Schauwerkstatt einen ersten Einblick in die tägliche Arbeit der Porzellanmaler erhalten.

Kurz nach der Probewoche erhielt ich schließlich die Zusage der Manufaktur und meinen Arbeitsvertrag. Bis heute erinnere ich mich sehr gern an diesem Moment in dem aus meinem Hobby der Beruf Porzellanmalerin wurde – für mich der absolute Traumberuf.

Die Auszubildenden der Porzellan-Manufaktur Meissen | Foto: MEISSEN®

Insgesamt dauert die Ausbildung zur Porzellanmalerin 3,5 Jahre. Dabei wechseln sich vier Wochen Praxis und zwei Wochen Berufsschule stetig ab. Im ersten Jahr erfolgt die Grundlagenausbildung in der Zeichenschule. So werden die künstlerischen Fähigkeiten kontinuierlich geschult, indem Skizzen und Zeichnungen für die Ausbildungsmappe erarbeitet werden.

Im zweiten Ausbildungsjahr erfolgt der Wechsel von Papier auf Meissener Porzellan – für mich die bisher größte Herausforderung. Bei der glatten Fläche des „weißen Goldes“ kann auch schnell einmal der Pinsel- oder Federstrich abrutschen. Daher ist Konzentration und gewissenhaftes Arbeiten über einen längeren Zeitraum sehr wichtig. Ich mag vor allem die ruhige Arbeitsatmosphäre in der es keine Hektik gibt. Die Porzellane bemale ich nach vorher angefertigten oder vorhandenen Skizzen oder Vorlagen. Dazu werden die speziell angefertigten Porzellanmalfarben mit Öl auf eine Palette gespachtelt und anschließend mit feinen Pinseln oder Feder auf das Porzellan aufgetragen. Im sogenannten Dekorbrand verbinden sich schließlich Farbe und Glasur, abschließend erfolgt die Qualitätskontrolle und fertig ist das handbemalte Dekor auf Meissener Porzellan.   

Für mich ist klar, dass ich nach meiner Ausbildung bei Meissen bleiben möchte. Ich freue mich, jeden Tag aufs Neue in die Arbeit zu versinken und dabei künstlerisch tätig zu sein.

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