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Praxisnaher Unterricht: Rhetorik und Körpersprache als Fach können helfen

15. September 2016

Andreas LassenIst der Unterricht an deutschen Schulen zu praxisfern? wissensschule.de sprach mit jemandem, der ganz nah dran ist: Andreas Lassen ist IHK-Trainer für Umgangsformen im Beruf. Er gibt schon seit mehr als 15 Jahren sein Wissen an Jugendliche und Erwachsene in Schulen und Firmen weiter. 2014 erschien sein Buch „SOKO-Umgangsformen“ in der zweiten aktualisierten Auflage.

Wenn Sie über Ihre eigene Schulzeit nachdenken, welches Schulfach haben Sie vermisst?

Ich hatte eigentlich keines vermisst, sondern eher ein paar zu viel. Nein, Spaß beiseite! Ich denke dass gerade der Bezug zu dem nachfolgenden Berufs- oder Studienweg damals wie heute fehlt. Das kann man nicht an einem konkreten Fach festmachen. Aber Umgangsformen, Präsentationstechniken, Rhetorik, Körpersprache, Selbst- und Zeitmanagement sind Stichwörter, die mir spontan als sinnvolle Ergänzung für den Unterricht einfallen.

Bügeln, Steuererklärung schreiben und Versicherungen vergleichen — sollte das bald jeder in der Schule lernen und dafür die Gedichtanalyse gestrichen werden?

Das ist vielleicht etwas weit gegriffen. Sicherlich gibt es viele Lehrinhalte, die man in Frage stellen kann. Das Beschäftigen mit der deutschen Sprache, auch in Interpretationen und Analysen, ist bestimmt sinnvoll. Dennoch gibt es andere gesellschaftsrelevante Themen, die die Schüler gut auf das Berufsleben vorbereiten könnten. Man muss sicher unterscheiden zwischen jenen Dingen, die Jugendliche im Elternhaus erfahren sollten und jenen, die in der Schule erlernt werden sollten. Gerade die Entwicklung sozialer Fähigkeiten, ein sicheres Auftreten in der Öffentlichkeit und das Verhalten in der Berufswelt passen eher in die schulische Entwicklung. Das fehlt oft und wird von Firmen bei Schulabgängern vermisst.

Das Abitur gilt als Reifeprüfung — oft wirken aber gerade junge Abiturienten noch nicht übermäßig selbstständig. Was meinen Sie könnten Schulen tun um das zu ändern?

Genau hier würden die Themen ansetzen, die ich in der ersten Antwort genannt habe. In der Schule lernt man in erster Linie Kurzzeitwissen. Lernen, Arbeit schreiben, vergessen. Dabei sollte die Förderung und Entwicklung von Fähigkeiten im Vordergrund stehen.

Was würden Sie jungen Menschen beibringen, wenn Sie fünf Stunden in einer Schulklasse unterrichten dürfen?

Meine Hauptthemen sind Umgangsformen und Körpersprache. Sicheres, offenes Auftreten anderen Menschen gegenüber. Das Wissen, wie ich mich situationsgerecht verhalten kann, sorgt für ein stärkeres Selbstvertrauen. Oft fehlt den Jugendlichen gerade das! In ihrer gewohnten Umgebung erscheinen sie stark, in fremden Situationen wirken sie oft verunsichert.

Sich selber in jeder Situation so einbringen, dass ich auf der einen Seite andere nicht bedränge oder eingrenze, ich andererseits aber auch meine Vorstellungen, Ziele und Wünsche erreichen kann, das sollte das Ziel sein.

Wie könnten Unternehmen von einem neuen Fach „Benehmen“ profitieren?

Sehr! Sie würden sich die Zeit sparen, Bewerber und Auszubildende zuerst in Grundfertigkeiten des menschlichen Miteinanders schulen zu müssen. Egal in welchem Beruf ich später einmal arbeiten möchte, erfolgreicher zwischenmenschlicher Kontakt ist immer ein zentrales Thema. Wenn ich in diesem Bereich bereits Sicherheit gewonnen habe, kann ich schneller punkten. Doch nicht nur Unternehmen profitieren davon. Auch die Gesellschaft hat dadurch einen Vorteil. Und letztlich profitieren nicht zuletzt die Schulabgänger selbst! Der höhere Erfolg in Beruf und Gesellschaft ist mit Sicherheit nicht zu unterschätzen.

Veröffentlicht am 15. September 2016

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Wie sagte schon Bacon: „Wissen ist Macht!“
*Francis Bacon, 1561 - 1625, Philosoph & Jurist
 

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